Mittwoch, 25. Juni 2025
Wenn Sprache ihren Sinn verliert
Sonntag, 2. Februar 2025
Merz' meisterhafte Machtergreifung
Es gibt nahezu nichts, was ich an Friedrich Merz nicht verachte: sein zusammenschmarotztes Vermögen, sein durch keinerlei Sachkunde getrübtes Selbstbewusstsein und vor allem die oberlehrerhafte Art, seine auf Ballermanniveau unterkomplexen Weltverbesserungsvorschläge so vorzutragen, als hätte er für sie einen Nobelpreis bekommen. Eines aber ist Merz nicht: dumm. Er ist intelligent - und skrupellos, aber das wissen wir spätestens seit Mittwoch.
Sonntag, 19. Januar 2025
Professionelle Kommunikation – so wichtig
In den kommenden Wochen wird das Gejammer wieder groß sein, wie es dem Totalitarismus gelingen konnte, die Macht zu übernehmen, wo linke Politik doch so eindeutig die Vorzüge des Liberalismus zeige, und genau hier möchte ich ein paar Zähne ziehen. Nichts haben wir gezeigt – außer vielleicht, dass sich mit Selbstgerechtigkeit und Herumschreien allenfalls die eigene Minderheitenklientel versorgen, keinesfalls jedoch die Masse überzeugen lässt.
Samstag, 30. November 2024
FDP-Day
Hand hoch: Wer bedauert das Ende der Ampelkoalition? Niemand? Warum regt Ihr Euch dann so auf?
Samstag, 17. August 2024
Hybris gewinnt keine Wahlen
Seit neun Jahren werden wir nicht müde, es uns gegenseitig einzuhämmern: Trump ist dumm, Trump ist primitiv. Trump lügt, Trump trickst. Der Subtext lautet durchgehend: Angesichts dieses Ausmaßes an menschlicher, intellektueller und moralischer Verkommenheit werden alle erkennen, dass sie Trump nicht wählen können.
Doch, können sie, und ich verstehe auch, warum.
Montag, 1. Januar 2024
Deutsche Riten: Böllerverbote
Spätestens am 27.12. eines Jahres beginnt zuverlässig die gleiche ebenso hysterisch wie folgenlos geführte Debatte, ob die Silvesterknallerei verboten werden soll. Mir ist es eigentlich egal, weil ich die Nacht zum Jahreswechsel so verbringe wie jede andere Nacht auch: schlafend, oder zumindest mit dem Versuch zu schlafen. Als Teenager fand ich das Reinfeiern noch interessant, mit guten Freunden sowie der heimlich Verehrten lauter ungesundes Zeug in sich hineinzustopfen, über Vergangenes und Zukünftiges zu sinnieren, gegen Mitternacht die Lieblingsplatte aufzulegen und dann irgendwann den Schlafsack auszurollen, um wenigstens ein bisschen Schlaf zu bekommen.
Dann kam das Raclette-Zeitalter.
Sonntag, 3. September 2023
Aiwangers Selbstmitleid
Aiwanger. Hubert Aiwanger, oder auch Hubot Oiwongo, wie er sich selbst zu nennen pflegt. Die Synchronstimme von Seelefant aus den Urmelfilmen, wahlweise auch der Hund aus dem Loriot-Sketch, von dem es am Ende heißt: "Ich glaube, Ihr Hund kann gar nicht sprechen. Er beherrscht nur einen einzigen Laut, sowas wie 'o'." Der Mann, der nur wenige Sekunden zu reden braucht, um von jeder Amtsärztin den Hirntod attestiert zu bekommen. Als ich die Nachricht über den Flugblattfund in seinem Schulranzen hörte, war meine erste Reaktion: Unfassbar, Aiwanger kann schreiben?
Mittwoch, 5. Juli 2023
Masturbierodon
Es bedarf nicht zwangsläufig einer Horde Nazis, um ein an sich interessantes Medium in einen schwer erträglichen Ort zu verwandeln. Mastodon zum Beispiel war einmal ein beschaulicher Nerd-Tummelplatz, die sich ab und zu mal eine Nachricht schickten, ansonsten aber sich angenehm ruhig verhielten. Mastodon, darüber waren wir uns einig, ist ganz nett, aber unbedeutend. Es gab keinen Grund, sich aufzuplustern, weil sowieso kaum jemand davon etwas mitbekommt.
Dann kaufte Elon Musk Twitter.
Samstag, 17. Juni 2023
Antiterroristischer Aktionismuszwang
In Hamburg betritt ein ehemaliger Zeuge Jehovas einen Königreichssaal, erschießt sieben Menschen und anschließend sich selbst. Wie immer nach solchen Taten schauen jetzt alle zurück auf deren Vorgeschichte und defäkieren klug, wie das Ganze hätte verhindert werden können. Das ist etwa so sinnig, als fragten Sie nach einem verwandelten Elfmeter den Torwart, warum er sich nicht in die richtige Ecke gestellt hat, wo doch so klar war, dass der Schütze dorthin zielen wird, aber offenbar ist es das, was im Journalismusstudium als "kritische Berichterstattung" verkauft wird.
Montag, 5. Juni 2023
Völlig bekloppt und doch irgendwie richtig
Eigentlich könnte es mir völlig egal sein, wer sich wann warum wo auf welche Straße klebt. So selten, wie ich Auto fahre, müsste es schon ein enormer Zufall oder der Protest enorm eskaliert sein, wenn ausgerechnet ich in einem von der "Letzten Generation" verursachten Stau stehe. Trotzdem fühle ich mich von dieser Aktionsform aus mehreren Gründen genervt.
Samstag, 18. Februar 2023
Alternativloser Krieg
Jahrzehntelang haben wir über Merkels rhetorische Figur der "Alternativlosigkeit" gespöttelt. Das sei Unsinn, sagten wir, in Demokratien gäbe es immer mindestens eine weitere Option. Wir mögen sie als schlecht oder gar ungeeignet ansehen, aber müssten bei unseren Überlegungen sie immer als existent im Kopf behalten - nicht, weil wir sie ernsthaft erwögen, sondern um uns zu vergegenwärtigen, dass politische Entscheidungen keine Naturgesetze sind.
Jetzt überlegen Sie bitte, wie wir den Ukrainekrieg diskutieren.
Samstag, 11. Februar 2023
Spielverderben als Argumentersatz
Den Hype um Harry Potter habe ich nie ganz verstanden. Ja, die Bücher gefielen mir, aber die Anleihen bei anderen Fantasy-Werken waren mir zu deutlich. Die ständigen Wutausbrüche Harry Potters gingen mir auf die Nerven, ebenso Harrys Stiefeltern, die sich über sechs lange Jahre hinweg keinen Millimeter weiterentwickeln, obwohl sie reichlich Anlass dazu hätten. Selbst der von vielen Fans geliebte Severus Snape bleibt seltsam statisch, und die am Ende gelieferte Erklärung reicht mir nicht aus. Auch die Filme sind weit davon entfernt, mich zu überzeugen. Optisch mögen sie überwältigen, aber das entschädigt in meinen Augen nicht für das - Entschuldigung - mittelmäßige Schauspiel Daniel Radcliffes und einige stümperhafte Schnitte mit resultierenden Handlungssprüngen, die ohne Kenntnis der Bücher nicht verständlich sind. All das führten bei mir zu einer ambivalenten Haltung dem Harry-Potter-Universum gegenüber. Ich fand es interessant und unterhaltsam, ein echter Potterhead war ich aber nie.
Donnerstag, 17. November 2022
Migrationsmythen
Samstag, 5. November 2022
Was erlauben Grün
Geschichte wiederholt sich - vielleicht nicht exakt, aber bestimmte Muster lassen sich erkennen. Ein Beispiel ist das Erwachsenwerden der Generation Greta.
Mittwoch, 27. Juli 2022
Es reimt sich - fertig
Damit keine Missverständnisse aufkommen: Ich halte einander mit Fäkalien bewerfende Schimpansen für kulturell höherwertiger als alle Ballermann-Schlager zusammen. Zwar besitze ich keine echte Ahnung von Musik, spiele aber seit langer Zeit ein Instrument, habe jahrelang in Chören gesungen hat und kann zur Not auch einfache Chorsätze schreiben, weswegen sich mir das Trommelfell kräuselt, wenn ich die immer gleichen Arrangements, den 4/4-Stumpfrhythmus und die mit der vollen Macht der Effekttechnik gepimpten Fistelstimmchen beim Sinnen von Texten höre, deren Schwachsinnsgrad einem Amtsarzt zur Hirntoddiagnose reicht. Ich verachte eine Partykultur, die Lautstärke mit Qualität verwechselt, Besaufen zu einer Kunstform verklärt und von ihrem Umfeld die Rücksichtnahme einfordert, bis spät in die Nacht grölende, saufende, kotzende und pissende Frohnaturen zu ertragen, während sie selbst auf nichts und niemanden Rücksicht nimmt. Wenn es nach mir ginge, könnten wir die Partymeile auf Mallorca umpflügen und durch einen Rübenacker ersetzen, dessen IQ um Größenordnungen höher ist, als der des bisherigen Unterhaltungsangebots.
Genau diese Haltung ist der Grund, warum ich niemals irgendwo Entscheidungen über Kultur- und Partyveranstaltungen treffen sollte. Meine Vorstellung, es gäbe "wertvolle" und "weniger wertvolle" Kultur, ist überheblicher Quatsch. Wenn Leute feiern wollen, ist das deren Sache und es obliegt mir nicht, das zu bewerten. Mir muss das nicht gefallen, und ich habe zum Glück einige Ausweichmöglichkeiten.
Montag, 11. Juli 2022
Antisemitischer Fetisch
Kurz bevor ich zur Besprechung mit unserem Team nach Hannover aufbrach, nahm mich ein Kollege beiseite: "Pass bitte auf, dass Dir nicht das N-Wort rausrutscht."
Was, Niedersachsen? Ja gut, ist 'ne öde Gegend, aber meine Güte, Hannover ist nun einmal in Niedersachsen. Aber keine Bange, wir reden vor allem über die neue Programmversion und den Veröffentlichungstermin übernächste Woche.
Samstag, 4. Juni 2022
Dokumentiertes Scheitern für neun Euro
Woran Sie an jedem beliebigen Punkt erkennen können, wo sich ein Teutone herumtreibt? Gehen Sie dorthin, wo am lautesten herumgejammert wird.
So zum Beispiel bei der Einführung des Neun-Euro-Tickets. Das ist in meinen Augen ein so richtiger Schritt in eine so richtige Richtung, dass ich allenfalls an Details herummäkle wie der Frage, warum nicht gleich gratis, weil die neun Euro für die Verkehrsbetriebe wahrscheinlich nicht einmal den Abrechnungsaufwand kompensieren, und warum nicht gleich für immer, um sowohl sozial als auch ökologisch Zeichen zu setzen. Insgesamt aber begrüße ich das Ticket sehr, nicht obwohl, sondern weil die Verkehrsbetriebe daran scheitern werden.
Sonntag, 6. März 2022
The War Is Over - and we lost
Jedes Mal, wenn der Westen sich auf ein größeres militärisches Abenteuer einlässt,verfolgt er publizistisch die gleiche Strategie, den Gegner als sabbernden Idioten hinzustellen. Die Idee dahinter ist klar: Wir sind die Guten, rational, von objektiven, ethischen Werten geleitet, während der Gegner ein verachtens-, ja fast schon bemitleidenswerter Trottel ist, testosterongesteuert, unfähig zu einer rationalen Entscheidung. So war es beim Krieg gegen Saddam Hussein, so ist es mit Wladimir Putin. Zwar hat der Westen nie Krieg gegen ihn geführt, weil er selbst Teil des Westens war, aber: So war es auch mit Donald Trump in den Medien außerhalb der USA.
Sonntag, 22. August 2021
Die Drei von der Resterampe
Jetzt ist es offiziell: Laschet sieht keine Chancen mehr, das Rennen um die Kanzlerschaft zu gewinnen.
Das sagt er natürlich nicht so. Er verhält sich aber, wie sich die CDU immer verhalten hat, wenn sie nicht mehr daran glaubt, es aus eigener Kraft noch schaffen zu können: Er gräbt ganz tief in der Klamottenkiste herum und zerrt die schon reichlich ausgeleierte Rote-Socken-Kampagne hervor. Diese Nummer hat noch nie funktioniert, im Gegenteil: Die Warnung vor einem Linksruck hatte dem politischen Gegner stets in die Arme gespielt, hinterließ sie bei den Wählerinnen doch den (irrigen) Eindruck, durch die Wahl einer anderen Regierung wirklich einen politischen Wandel herbeiführen zu können. Das ist natürlich Quatsch, denn zumindest mit der SPD an der Macht wird es alles geben, nur keine linke Politik. Hartz IV, erster echter Kriegseinsatz der Bundeswehr, ein ganzes Bündel menschen- und bürgerrechtsverletzender Anti-Terror-Gesetze, die vom Bundesverfassungsgericht gestoppt wurden: SPD-Kanzlerschaft. Mindestlohn, Frauenquote in Führungsetagen, Ehe für alle, Ausstieg aus der Kernkraft: Kanzlerin Merkel, zugegeben bis auf vier Jahre zusammen mit der SPD. Ich weiß, das ist in dieser Überspitztheit nicht wahr, aber es bleibt die Feststellung, dass mehrere klassisch linke Forderungen bizarrerweise unter einer CDU-geführten Regierung umgesetzt wurden. Selbst die Streichung des § 175 StGB fand unter Kohl statt (wenngleich die CDU danach den Mut verlor und sich gegen die Rehabilitierung Verurteilter wehrte). Wie dem auch sei, wenn von einer SPD-geführten Regierung eins nicht zu erwarten ist, dann ein Linksruck.
Doch genau davor warnt Laschet. Offensichtlich traut nicht einmal er selbst sich noch genug Eigenschaften zu, um von sich zu überzeugen. Böse Zungen fragen: Hat dieser Mann überhaupt irgendwelche Eigenschaften?
Samstag, 17. Juli 2021
Lasch et
Das war's. Der Wahlkampf ist gelaufen. Annalena Baerbock wird die nächste Kanzlerin. Die CDU kann viel Geld sparen, indem sie ihre Wahlkampfteams nach hause schickt. Vielleicht lohnt es sich, zu versuchen, noch ein paar Prozentpunkte zu retten, aber die Hoffnung auf eine weitere CDU-Kanzlerschaft kann die Partei aufgeben. Nicht mit Armin Laschet. Nicht mit einer Witzfigur, über die exakt einer lacht: er selbst.
In Wahlkämpfen entscheiden weniger die nüchternen Sachargumente, es entscheiden Emotionen. Denken Sie daran, wie Schröder in Gummistiefeln einen schon verloren geglaubten Wahlkampf doch noch für sich entscheiden konnte. Etwas Ähnliches hatte Laschet auch vor. Statt sich auf einer CSU-Klausur von der bayerischen Schwesterpartei auszählen zu lassen, weil er sich mit aller Macht gegenüber dem Selbstdarsteller Söder durchsetzen musste, der über ein Jahr lang als Krisenmanager in der Coronakrise punkten konnte, nutzte er die Gunst der Stunde, um sich in die Flutkatastrophengebiete Nordrhein-Westfalens zu begeben und dort den fürsorglichen Landesvater zu mimen. Das war im Kern auch eine sehr gute Idee, und wahrscheinlich hätte das Wahlkampmanöver funktioniert, hätte Laschet nicht in einigen wenigen Sekunden der Unachtsamkeit alles verspielt.