Samstag, 17. Juni 2023

Antiterroristischer Aktionismuszwang

In Hamburg betritt ein ehemaliger Zeuge Jehovas einen Königreichssaal, erschießt sieben Menschen und anschließend sich selbst. Wie immer nach solchen Taten schauen jetzt alle zurück auf deren Vorgeschichte und defäkieren klug, wie das Ganze hätte verhindert werden können. Das ist etwa so sinnig, als fragten Sie nach einem verwandelten Elfmeter den Torwart, warum er sich nicht in die richtige Ecke gestellt hat, wo doch so klar war, dass der Schütze dorthin zielen wird, aber offenbar ist es das, was im Journalismusstudium als "kritische Berichterstattung" verkauft wird.

Montag, 5. Juni 2023

Völlig bekloppt und doch irgendwie richtig

Eigentlich könnte es mir völlig egal sein, wer sich wann warum wo auf welche Straße klebt. So selten, wie ich Auto fahre, müsste es schon ein enormer Zufall oder der Protest enorm eskaliert sein, wenn ausgerechnet ich in einem von der "Letzten Generation" verursachten Stau stehe. Trotzdem fühle ich mich von dieser Aktionsform aus mehreren Gründen genervt.

Samstag, 18. Februar 2023

Alternativloser Krieg

Jahrzehntelang haben wir über Merkels rhetorische Figur der "Alternativlosigkeit" gespöttelt. Das sei Unsinn, sagten wir, in Demokratien gäbe es immer mindestens eine weitere Option. Wir mögen sie als schlecht oder gar ungeeignet ansehen, aber müssten bei unseren Überlegungen sie immer als existent im Kopf behalten - nicht, weil wir sie ernsthaft erwögen, sondern um uns zu vergegenwärtigen, dass politische Entscheidungen keine Naturgesetze sind.

Jetzt überlegen Sie bitte, wie wir den Ukrainekrieg diskutieren.

Samstag, 11. Februar 2023

Spielverderben als Argumentersatz

Den Hype um Harry Potter habe ich nie ganz verstanden. Ja, die Bücher gefielen mir, aber die Anleihen bei anderen Fantasy-Werken waren mir zu deutlich. Die ständigen Wutausbrüche Harry Potters gingen mir auf die Nerven, ebenso Harrys Stiefeltern, die sich über sechs lange Jahre hinweg keinen Millimeter weiterentwickeln, obwohl sie reichlich Anlass dazu hätten. Selbst der von vielen Fans geliebte Severus Snape bleibt seltsam statisch, und die am Ende gelieferte Erklärung reicht mir nicht aus. Auch die Filme sind weit davon entfernt, mich zu überzeugen. Optisch mögen sie überwältigen, aber das entschädigt in meinen Augen nicht für das - Entschuldigung - mittelmäßige Schauspiel Daniel Radcliffes und einige stümperhafte Schnitte mit resultierenden Handlungssprüngen, die ohne Kenntnis der Bücher nicht verständlich sind. All das führten bei mir zu einer ambivalenten Haltung dem Harry-Potter-Universum gegenüber. Ich fand es interessant und unterhaltsam, ein echter Potterhead war ich aber nie.

Donnerstag, 17. November 2022

Migrationsmythen

Die strategischen Popcornreserven neigen sich angesichts der Nachrichten über Twitter bedrohlich dem Ende zu. Elon Musk fräst sich durch mit einer Grobschlächtigkeit durch das Unternehmen, zu der im Vergleich Donald Trump wie ein sensibler Feingeist wirkt. Seine letzte Eskapade besteht in Mails, in denen die Angestellten aufgefordert werden, massiven Überstunden aktiv zuzustimmen und alles Andere als Kündigung gelte. Die Plattform kollabiert derzeit mit einer Geschwindigkeit, welche die Frage aufkommen lässt, ob Twitter eine Seifenblase war und Musk sie nur zum Platzen brachte, oder ob Musk einfach nur ein Dummkopf ist, der selbst das solideste Unternehmen ruiniert, wenn ihn nicht seine Beraterinnen gewaltsam daran hindern. Gleichzeitig tritt die Twitter-Alternative Mastodon aus ihrem jahrelangen Nischendasein heraus. Ist Twitter dem Untergang geweiht, Mastodon die Nachfolge, und werden wir uns alle in einem Monat dort alle wiedersehen? Ich bin mir nicht sicher.

Samstag, 5. November 2022

Was erlauben Grün

Geschichte wiederholt sich - vielleicht nicht exakt, aber bestimmte Muster lassen sich erkennen. Ein Beispiel ist das Erwachsenwerden der Generation Greta.

Mittwoch, 27. Juli 2022

Es reimt sich - fertig

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Ich halte einander mit Fäkalien bewerfende Schimpansen für kulturell höherwertiger als alle Ballermann-Schlager zusammen. Zwar besitze ich keine echte Ahnung von Musik, spiele aber seit langer Zeit ein Instrument, habe jahrelang in Chören gesungen hat und kann zur Not auch einfache Chorsätze schreiben, weswegen sich mir das Trommelfell kräuselt, wenn ich die immer gleichen Arrangements, den 4/4-Stumpfrhythmus und die mit der vollen Macht der Effekttechnik gepimpten Fistelstimmchen beim Sinnen von Texten höre, deren Schwachsinnsgrad einem Amtsarzt zur Hirntoddiagnose reicht. Ich verachte eine Partykultur, die Lautstärke mit Qualität verwechselt, Besaufen zu einer Kunstform verklärt und von ihrem Umfeld die Rücksichtnahme einfordert, bis spät in die Nacht grölende, saufende, kotzende und pissende Frohnaturen zu ertragen, während sie selbst auf nichts und niemanden Rücksicht nimmt. Wenn es nach mir ginge, könnten wir die Partymeile auf Mallorca umpflügen und durch einen Rübenacker ersetzen, dessen IQ um Größenordnungen höher ist, als der des bisherigen Unterhaltungsangebots.

Genau diese Haltung ist der Grund, warum ich niemals irgendwo Entscheidungen über Kultur- und Partyveranstaltungen treffen sollte. Meine Vorstellung, es gäbe "wertvolle" und "weniger wertvolle" Kultur, ist überheblicher Quatsch. Wenn Leute feiern wollen, ist das deren Sache und es obliegt mir nicht, das zu bewerten. Mir muss das nicht gefallen, und ich habe zum Glück einige Ausweichmöglichkeiten.