- Windoof (vormals MS Doof): Ehrlich, ihr habt ganz allein gemerkt, dass Microsoft-Produkte ihre Schwächen haben? Da ist vor euch bestimmt noch keiner drauf gekommen. Und weil das Zeug so schlimm ist, benutzt ihr es - weiter?
- Outlurch
- Internet Exploder
- Rechner mit Fallobst auf dem Deckel: Oh ja, hey, auf solche feinsinnigen Bonmots kommen nur absolute IT-Cracks. Apfel - Fallobst, verstehste? Darüber muss man schon etwas nachdenken - während man sehnsüchtig auf eine Hirn-Organspende wartet.
- High five, low five, Backpfeif
- Alles klärchen: So hört es sich an, wenn man Radiocomedy total lustig findet, während man traumverloren die Hummelfigurensammlung in der Wohnzimmerschrankwand betrachtet.
- Happy Kadaver: Wenn ein Witz so lahm wie der deutsche Verwaltungsapparat und so lustig wie eine Matheklausur ist, sollte man ihn unbedingt jahrzehntelang wiederholen, irgendwann findet's bestimmt jemand komisch. Immerhin ist es doch unglaublich spaßig, wie man bis ins hohe Alter die Tatsache ignorieren kann, dass "Fronleichnam" den gleichen Wortstamm wie "Frondienst" oder "Fronhof" hat und einfach nur so viel heißt wie "der Leichnam des HErrn". Einige Leute haben ihre Schulzeit offenbar nur zum Paninibildchentauschen genutzt.
Freitag, 12. April 2013
Begriffe, die Menschen mit einem wahrnehmbaren IQ besser vermeiden sollten
Mit Bitte um Vorschläge zur Vervollständigung:
Donnerstag, 11. April 2013
Datenrettung durch Bombenalarm
Was ist das optimale Vorgehen, wenn man
sein Dienstnotebook im Zug hat liegen lassen und das wenige Minuten
nach Verlassen des Zuges feststellt?
Kurze Antwort: Man geht in den Laden
und kauft ein neues.
Lange Antwort: Der Fall, dass man auf
irgendeine Weise mit dem Personal Kontakt aufnimmt, ist in den
Arbeitsabläufen der Deutschen Bahn AG offenbar nicht vorgesehen. Es
scheint so, als sei ein einmal auf die Reise gegangener Regionalzug
ungefähr so autark wie eine V2-Rakete, die, einmal auf Kurs
gebracht, unentrinnbar ihr Ziel verfolgt und nur durch einen
technischen Defekt oder einen Abfangjäger aufgehalten werden kann.
Zumindest gibt es keine Möglichkeit, bei der Bahn anzurufen und zu
sagen: Achtung, ich habe da im Zug etwas vergessen, schickt doch
bitte eine Zugbegleiterin oder meinetwegen am nächsten Bahnhof eine
Servicemitarbeiterin los, damit sie das gute Stück sicherstellt.
Im Jahr 2013, nicht 1944. Im Zeitalter der mobilen Kommunikation. Jeder der 300 Zuginsassen hat mindestens ein Telefon in der Tasche, nur der Typ vorn in der Lok ist komplett von der Außenwelt abgeschnitten und holt sich erst beim Erreichen des Endbahnhofs mittels Feldtelefon die neuesten Anweisungen von der zentralen Reichsbahnleitstelle Berlin ab? Statt Kontakt mit dem Zug aufzunehmen, verlangt die Bahn, dass man die 0900-Nummer des unternehmeneigenen Fundbüros anruft –
aus einem Firmennetz heraus, das diese Vorwahl generell sperrt,
unmöglich. Nun gibt es glücklicherweise im Internet Seiten, welche
die hinter einer solchen Nummer stehenden normalen Rufnummern
auflisten. So kommt man wenigstens in Kontakt mit der Fundstelle der
Bahn – leider nicht ganz die richtige Ansprechpartnerin, wenn man
davon ausgehen muss, dass der verlorene Gegenstand noch unterwegs ist
und ganz bestimmt noch nicht gefunden wurde. Das sehen die
entsprechenden Callcenterfachkräfte nach einigem Zureden auch ein
und rücken am Ende ein paar andere Rufnummern heraus, bei denen man
sein Glück versuchen kann. Sie können sich vorstellen, was
passiert: Die Leute hinter diesen Rufnummern versuchen zuerst, einem
die 0900-Nummer der Fudstelle aufzuschwatzen und lassen sich nur mit
äußerster Mühe davon überzeugen, dass man gerade von diesen
Leuten hierher verwiesen wurde und am liebsten einfach an das
Personal im Zug oder dem nächsten Bahnhof eine dringende Nachricht
loswerden möchte. Nachdem man fünfmal herumgereicht wurde, tritt
wahrscheinlich der Fall ein, der in Netzwerken als TTL bezeichnet
wird: Nach Überschreiten einer bestimmten Zahl Weiterleitungen gibt
man auf.
Der Bahnhof, mögen Sie jetzt
einwenden. Am Bahnhof können sie doch auch sagen, ob ein Zug
pünktlich ist und warum er sich verspätet. Offenbar
gibt es also irgendeine Art von Kommunikation. Um auch diese Hoffnung
zu zerschlagen: Selbst dort kann oder will man mit den Zügen keinen
Kontakt aufnehmen. Als Ergebnis bleibt ein teures Notebook mit
Zusatzhardware verschwunden.
Zum Abschluss ein Gedankenexperiment:
Was wäre, wenn man den Verlust der auf dem Rechner gespeicherten
Daten lieber in Kauf nähme, als dass die Maschine in falsche Hände
geriete? Achtung, das Folgende ist eine Straftat und sollte keinesfalls über das Stadium eines Gedankenexperiments hinaus gehen:
Wenn jemand am Bonner Bahnhof eine blaue Sporttasche abstellt, hat
man Minuten später ein SEK da, das sich um das Ding kümmert, und
ich möchte wetten, dass ein entsprechender Anruf bei der Polizei
reicht, und es findet sich ganz überraschend doch eine Möglichkeit,
mit dem Zug in Kontakt zu treten.
Warum geht so etwas nicht, um ein simples Notebook zu retten?
Blubbervokabel des Tages: Gefährdungspotenzial
Irgendwo im Ärmelkanal gammeln ein paar Atommüllfässer herum, und es
wäre besser, die Dinger zu bergen und etwas professioneller zu lagern.
OK, sehe ich ein. Was mich ärgert, ist ein einziges Wort, das von so
unfassbarer Blödheit ist, dass es im Artikel gleich in zwei Sätzen
hintereinander vorkommt: "Gefährdungspotenzial" Was bitte soll das sein?
Kriegt ihr vor lauter wichtigtuerischem Geschafel das Maul nicht weit
genug aufgerissen? Schon mal was vom einfachen Wort "Gefahr" gehört? Das
ist nämlich das Wort, das ihr an dieser Stelle verwenden solltet, weil
die aufgeblähte Variante nicht nur überflüssig ist, sondern sogar das
Gegenteil dessen ausdrückt, was ihr eigentlich ausdrücken wollt.
Eine Gefahr ist nämlich nichts weiter als die Wahrscheinlichkeit, mit der ein unterwünschtes Ereignis eintritt. "Die Gefahr, dass die Fässer in den nächsten 10 Jahren durchrosten und strahlendes Material austritt, liegt bei 90 Prozent." So etwas will man mit diesem Wort ausdrücken, und genau das ist es, was Frau Kotting-Uhl sagen möchte (von den genauen Zahlenangaben abgesehen). Was sie aber zusätzlich benutzt, ist "Potenzial", ein Wort, das die mögliche Größe eines Werts betrifft. Insgesamt geht es um die Wahrscheinlichkeit, mit der eine Gefahr eintritt, was wiederum eine Wahrscheinlichkeit ist, sprich: Wie wahrscheinlich ist es, dass wir in eine Situation geraten, in der möglicherweise etwas Schlimmes passieren könnte? Das lässt sich leicht sagen, die Wahrscheinlichkeit ist 1, weil wir uns bereits in der Gefahrensituation befinden. Viel interessanter wäre es, zu wissen, was von der eigentlichen Gefahr zu halten ist, aber genau das sagt Frau Kotting-Uhl eben nicht - zumindest, wenn man sie beim Wort nimmt.
Eine Gefahr ist nämlich nichts weiter als die Wahrscheinlichkeit, mit der ein unterwünschtes Ereignis eintritt. "Die Gefahr, dass die Fässer in den nächsten 10 Jahren durchrosten und strahlendes Material austritt, liegt bei 90 Prozent." So etwas will man mit diesem Wort ausdrücken, und genau das ist es, was Frau Kotting-Uhl sagen möchte (von den genauen Zahlenangaben abgesehen). Was sie aber zusätzlich benutzt, ist "Potenzial", ein Wort, das die mögliche Größe eines Werts betrifft. Insgesamt geht es um die Wahrscheinlichkeit, mit der eine Gefahr eintritt, was wiederum eine Wahrscheinlichkeit ist, sprich: Wie wahrscheinlich ist es, dass wir in eine Situation geraten, in der möglicherweise etwas Schlimmes passieren könnte? Das lässt sich leicht sagen, die Wahrscheinlichkeit ist 1, weil wir uns bereits in der Gefahrensituation befinden. Viel interessanter wäre es, zu wissen, was von der eigentlichen Gefahr zu halten ist, aber genau das sagt Frau Kotting-Uhl eben nicht - zumindest, wenn man sie beim Wort nimmt.
Buchkritik: Passig, Lobo: Internet - Segen oder Fluch
Ehrlich gesagt: Ich habe das Buch nicht gelesen - das E-Book, dessen Bestellcode der gedruckten Fassung beiliegt. Ich habe kein Mobilgerät, auf dem das Lesen von Büchern besonders leicht fiele, und am Bildschirm lese ich längere Texte nur mit Mühe. Trotzdem finde ich es gut, dass ich das Buch gleich in allen möglichen Lesefassungen bekommen kann, ja, dass ich nicht einmal die Möglichkeit hatte, nur die gedruckte Ausgabe zu kaufen. Dass der Verlag mich zwingt, zum Herunterladen der Datei meine postalische Adresse anzugeben, ich da aber wahrscheinlich auch irgendeinen Mondkrater angeben kann, ohne dass irgendetwas geprüft wird, ist das Einzige, was zu bemängeln mir einfällt.
Das Sowohl-als-auch der physikalischen Form passt sehr schön zum Inhalt des Buchs: ein entschiedenes Jein zu praktisch jeder Position, die man zum Internet beziehen kann, und genau deswegen halte ich es für eines der lesenswertesten Werke der letzten Jahre. Passig und Lobo haben sich bekanntlich lang und intensiv mit dem Internet befasst, und genau wie sich jedes andere Soziotop nicht mit knalligen Pauschalisierungen beschreiben lässt, sagen sie, muss man auch beim Internet differenzieren. Alle in den letzten Jahrzehnten mit Verve vorgetragenen Thesen über elektronisches Leben tragen einen wahren Kern und sind gleichzeitig Blödsinn - zumindest, wenn man sie zu ernst nimmt. Datenschützer und Post-Privacy-Enthusiuasten, Netzreglementierer und Netzanarchisten - sie alle haben Recht und liegen in letzter Konsequenz doch falsch, weil jeder dieser Standpunkte, wenn man ihn komplett umsetzt, zu einer Welt führt, in der hoffentlich niemand leben will - nicht einmal die, welche ihn eben noch so engagiert vertraten.
Dann präsentieren Passig und Lobo also den goldenen Mittelweg? Nein, zumindest nicht so, dass ich ihn klar im Buch erkannt hätte. Ich habe keine Stelle gefunden, an der sinngemäß gestanden hätte: "Folgt der Passig-Lobo-Methode, und schon habt ihr das Internet verstanden." Ich glaube auch nicht, dass sie die eine, die einzig wahre Strategie, mit dem Internet umzugehen, im Kopf hatten, als sie ihr Buch schrieben. Statt dessen schildern sie vor allem die unterschiedlichen Auffassungen. Mitunter kommen sie auch zum Schluss, dass diese Auffassungen unvereinbar sind, ein Kompromiss also nicht möglich ist, sich aber auch keine Position komplett durchsetzen sollte. Einfache Antworten sollte man von diesem Buch nicht erwarten.
Die Kombination Passig-Lobo hat mich zwar überrascht, aber das Ergebnis gefällt mir. Lobos mitunter etwas selbstverliebter, plakativer, aber auch zu inhaltlicher Dünne neigender Stil trifft auf Passigs deutlich nüchternere, dafür aber weniger amüsant zu lesende Schreibweise. Heraus kommt ein sehr angenehm zu lesendes, mit viel Inhalt versehenes Buch, bei dem ich immer wieder überrascht feststellte, wie viele Seiten ich selbst bei kurzen Zugfahrten wieder gelesen hatte.
Kurz: eine umfassende, differenzierte und sehr anregende Bestandsaufnahme. Lesen.
Kathrin Passig, Sascha Lobo: Internet - Segen oder Fluch. Rowohlt.
http://www.rowohlt.de/buch/Sascha_Lobo_Internet_Segen_oder_Fluch.3007367.html
Nachtrag: Jetzt auch bei der Bundeszentrale für politische Bildung für nur 4,50 € http://www.bpb.de/shop/buecher/schriftenreihe/155891/internet
Das Sowohl-als-auch der physikalischen Form passt sehr schön zum Inhalt des Buchs: ein entschiedenes Jein zu praktisch jeder Position, die man zum Internet beziehen kann, und genau deswegen halte ich es für eines der lesenswertesten Werke der letzten Jahre. Passig und Lobo haben sich bekanntlich lang und intensiv mit dem Internet befasst, und genau wie sich jedes andere Soziotop nicht mit knalligen Pauschalisierungen beschreiben lässt, sagen sie, muss man auch beim Internet differenzieren. Alle in den letzten Jahrzehnten mit Verve vorgetragenen Thesen über elektronisches Leben tragen einen wahren Kern und sind gleichzeitig Blödsinn - zumindest, wenn man sie zu ernst nimmt. Datenschützer und Post-Privacy-Enthusiuasten, Netzreglementierer und Netzanarchisten - sie alle haben Recht und liegen in letzter Konsequenz doch falsch, weil jeder dieser Standpunkte, wenn man ihn komplett umsetzt, zu einer Welt führt, in der hoffentlich niemand leben will - nicht einmal die, welche ihn eben noch so engagiert vertraten.
Dann präsentieren Passig und Lobo also den goldenen Mittelweg? Nein, zumindest nicht so, dass ich ihn klar im Buch erkannt hätte. Ich habe keine Stelle gefunden, an der sinngemäß gestanden hätte: "Folgt der Passig-Lobo-Methode, und schon habt ihr das Internet verstanden." Ich glaube auch nicht, dass sie die eine, die einzig wahre Strategie, mit dem Internet umzugehen, im Kopf hatten, als sie ihr Buch schrieben. Statt dessen schildern sie vor allem die unterschiedlichen Auffassungen. Mitunter kommen sie auch zum Schluss, dass diese Auffassungen unvereinbar sind, ein Kompromiss also nicht möglich ist, sich aber auch keine Position komplett durchsetzen sollte. Einfache Antworten sollte man von diesem Buch nicht erwarten.
Die Kombination Passig-Lobo hat mich zwar überrascht, aber das Ergebnis gefällt mir. Lobos mitunter etwas selbstverliebter, plakativer, aber auch zu inhaltlicher Dünne neigender Stil trifft auf Passigs deutlich nüchternere, dafür aber weniger amüsant zu lesende Schreibweise. Heraus kommt ein sehr angenehm zu lesendes, mit viel Inhalt versehenes Buch, bei dem ich immer wieder überrascht feststellte, wie viele Seiten ich selbst bei kurzen Zugfahrten wieder gelesen hatte.
Kurz: eine umfassende, differenzierte und sehr anregende Bestandsaufnahme. Lesen.
Kathrin Passig, Sascha Lobo: Internet - Segen oder Fluch. Rowohlt.
http://www.rowohlt.de/buch/Sascha_Lobo_Internet_Segen_oder_Fluch.3007367.html
Nachtrag: Jetzt auch bei der Bundeszentrale für politische Bildung für nur 4,50 € http://www.bpb.de/shop/buecher/schriftenreihe/155891/internet
Freitag, 29. März 2013
Feier mit Schleier
Um das Gejammer vorweg zu nehmen: Nicht alle Muslima tragen einen Schleier, und es ist ganz furchtbar rassistisch, eine Religion auf ein Attribut zu reduzieren. Aber, hey, es reimt sich, und ich wollte Sie zum Weiterlesen verführen, was ganz offensichtlich funktioniert hat. Der Sicherheit halber sage ich an dieser Stelle: Ich überlasse es den Angehörigen jedes beliebigen Glaubens, ihre religiösen Feste in der Kleidung zu begehen, die sie für angemessen halten, und die Frage, was außerhalb dieser Feste das Tragen eines Schleiers bedeutet, diskutiere ich in diesem Artikel nicht.
Es geht mir um religiöse Feiertage, und da hat der Zentralrat der Muslime pünktlich zu Ostern eine Forderung aufgestellt, von der man jetzt schon sagen kann, dass sie nach ein paar Kurzmeldungen in den Nachrichten wirkungslos verpuffen wird: Die deutschen Muslime wollen zwei gesetzliche Feiertage.
Allein schon aus formalen Gründen hat die Forderung kaum Aussicht auf Erfolg. Trotz weiterhin stetig sinkender Mitgliederzahlen gehören fast 60 Prozent der Deutschen einer der beiden christlichen Amtskirchen an. Die Muslime kommen gerade einmal auf 5 Prozent. Zumindest auf dem Papier haben christliche Feiertage eine viel stärkere Verankerung als muslimische Feste.
Nun läuft natürlich nicht alles über die Macht der Zahlen. Es ist inzwischen gesellschaftlicher Konsens, Minderheiten gewisse Rechte einzuräumen. Immerhin gehört jede von uns immer wieder dazu und weiß, wie sich so etwas anfühlt. Als Zeichen der Akzeptanz, als Geste des Dazugehörens wäre es also keine schlechte Idee, in Deutschland gesetzliche muslimische Feiertage zu haben - die genau wie christliche für alle gelten.
Genau das ist der Grund, warum die Idee scheitern wird. Die Älteren unter uns werden sich noch an den Buß- und Bettag erinnern - einst gesetzlicher Feiertag, dann von der Regierung gestrichen, um die deutsche Einheit zu finanzieren. Hat bekanntlich prima geklappt. Glaubt wirklich jemand ernsthaft, dass wir in einer Zeit, in der alle "die Märkte" als neuen Gott anbeten und alles zu vermeiden versuchen, den Unwillen dieser mächtigen Entität zu provozieren, zwei weitere arbeitsfreie Tage im Kalender verankern können? Das Geschrei der neoliberalen Anuskrabbler kann ich jetzt schon hören: Herr, steh uns bei, der Wirtschaftsstandort Deutschland ist gefährdet! Der Euro! Der Mittelstand!
Für zwei muslimische Feiertage müssten also zwei andere gestrichen werden. Was hätten wir da? Den Tag der deutschen Einheit zum Beispiel. Den wird sich keine Bundesregierung nehmen lassen, allein schon aus Prestigegründen. Neujahr. Das wird ein Spaß, wenn sich Millionen übermüdete Schnapsleichen maximal unproduktiv zur Arbeit schleppen. Der 1. Mai. Ich sehe den zahnlosen Traditionsverein DGB ja ohnehin schon mit großer Distanz, aber wenn die es nicht einmal schaffen, diesen Tag zu verteidigen, haben sie so offensichtlich an Macht verloren, dass sie sich auch gleich ganz auflösen können.
Es bleiben also die christlichen Feiertage, und da wäre es doch eine schöne Geste, zwei Tage, deren theologische Bedeutung sowieso längst in Vergessenheit geraten ist, den muslimischen Freunden zu schenken. Wie wäre es mit Weihnachten, dem Fest, dessen einziges Ziel darin zu bestehen scheint, sich gegenseitig für Millionenbeträge überteuerten Krempel zu schenken? Pfingsten - weiß außerhalb der christlichen Kerngemeinde jemand, worum es bei diesem Fest geht? Oder, genau, Ostern. Was genau haben Schokohasen noch einmal mit der Auferstehung des Sohns G'ttes gemein? Ich merke schon, die Stimmung sinkt gerade. Deshalb lasst doch die Kirchgänger entscheiden. Die zwei Tage, an denen sich die Wenigsten zum feiertäglichen Gottesdienst versammeln, streichen wir zugunsten zweier muslimischer Feiertage, an denen in den Moscheen Hochbetrieb herrscht. Da wird die Lage eng für den zweiten Weihnachtsfeiertag und Pfingstmontag.
In diesem Sinn wünsche ich besinnliche Kar- und Osterfeiertage.
Es geht mir um religiöse Feiertage, und da hat der Zentralrat der Muslime pünktlich zu Ostern eine Forderung aufgestellt, von der man jetzt schon sagen kann, dass sie nach ein paar Kurzmeldungen in den Nachrichten wirkungslos verpuffen wird: Die deutschen Muslime wollen zwei gesetzliche Feiertage.
Allein schon aus formalen Gründen hat die Forderung kaum Aussicht auf Erfolg. Trotz weiterhin stetig sinkender Mitgliederzahlen gehören fast 60 Prozent der Deutschen einer der beiden christlichen Amtskirchen an. Die Muslime kommen gerade einmal auf 5 Prozent. Zumindest auf dem Papier haben christliche Feiertage eine viel stärkere Verankerung als muslimische Feste.
Nun läuft natürlich nicht alles über die Macht der Zahlen. Es ist inzwischen gesellschaftlicher Konsens, Minderheiten gewisse Rechte einzuräumen. Immerhin gehört jede von uns immer wieder dazu und weiß, wie sich so etwas anfühlt. Als Zeichen der Akzeptanz, als Geste des Dazugehörens wäre es also keine schlechte Idee, in Deutschland gesetzliche muslimische Feiertage zu haben - die genau wie christliche für alle gelten.
Genau das ist der Grund, warum die Idee scheitern wird. Die Älteren unter uns werden sich noch an den Buß- und Bettag erinnern - einst gesetzlicher Feiertag, dann von der Regierung gestrichen, um die deutsche Einheit zu finanzieren. Hat bekanntlich prima geklappt. Glaubt wirklich jemand ernsthaft, dass wir in einer Zeit, in der alle "die Märkte" als neuen Gott anbeten und alles zu vermeiden versuchen, den Unwillen dieser mächtigen Entität zu provozieren, zwei weitere arbeitsfreie Tage im Kalender verankern können? Das Geschrei der neoliberalen Anuskrabbler kann ich jetzt schon hören: Herr, steh uns bei, der Wirtschaftsstandort Deutschland ist gefährdet! Der Euro! Der Mittelstand!
Für zwei muslimische Feiertage müssten also zwei andere gestrichen werden. Was hätten wir da? Den Tag der deutschen Einheit zum Beispiel. Den wird sich keine Bundesregierung nehmen lassen, allein schon aus Prestigegründen. Neujahr. Das wird ein Spaß, wenn sich Millionen übermüdete Schnapsleichen maximal unproduktiv zur Arbeit schleppen. Der 1. Mai. Ich sehe den zahnlosen Traditionsverein DGB ja ohnehin schon mit großer Distanz, aber wenn die es nicht einmal schaffen, diesen Tag zu verteidigen, haben sie so offensichtlich an Macht verloren, dass sie sich auch gleich ganz auflösen können.
Es bleiben also die christlichen Feiertage, und da wäre es doch eine schöne Geste, zwei Tage, deren theologische Bedeutung sowieso längst in Vergessenheit geraten ist, den muslimischen Freunden zu schenken. Wie wäre es mit Weihnachten, dem Fest, dessen einziges Ziel darin zu bestehen scheint, sich gegenseitig für Millionenbeträge überteuerten Krempel zu schenken? Pfingsten - weiß außerhalb der christlichen Kerngemeinde jemand, worum es bei diesem Fest geht? Oder, genau, Ostern. Was genau haben Schokohasen noch einmal mit der Auferstehung des Sohns G'ttes gemein? Ich merke schon, die Stimmung sinkt gerade. Deshalb lasst doch die Kirchgänger entscheiden. Die zwei Tage, an denen sich die Wenigsten zum feiertäglichen Gottesdienst versammeln, streichen wir zugunsten zweier muslimischer Feiertage, an denen in den Moscheen Hochbetrieb herrscht. Da wird die Lage eng für den zweiten Weihnachtsfeiertag und Pfingstmontag.
In diesem Sinn wünsche ich besinnliche Kar- und Osterfeiertage.
Sonntag, 17. Februar 2013
Ruhet in Frieden, Piraten - eine Grabrede
Mit Prognosen bin ich in der Regel vorsichtig, aber in diesem Fall sage
ich mal: Das war's mit den Piraten, und ich finde es schade.
Schade - nicht weil ich alle Kapriolen der vergangenen vier Jahre uneingeschränkt mitgetragen hätte, sondern weil der erste Versuch, 30 Jahre nach den Grünen einen neuen Politikstil zu etablieren, so grandios gescheitert ist.
Was war im Jahr 2009 passiert? In den Parlamenten gaben Abgeordnete den Ton an, die Netzpolitik für vollkommenen Blödsinn hielten. Computer waren für sie bessere Schreibmaschinen und das Internet ein Tummelplatz für pornoraubkopierende Nazihackerterroristen, Entschuldigung: ein "rechtsfreier Raum", den es dringend aufzuräumen galt. Zu diesem Behufe war schon eine Reihe merkwürdiger Gesetze auf den Weg gebracht worden. Als nun aber die Bundesfamilienministerin ein komplett unausgegorenes Gesetz zur Internetzensur verabschieden wollte, platzte vielen Netzbewohnern der Kragen. Sie hätten in den vergangenen Jahren reichlich Quatsch mit ansehen müssen, sagten sie, aber dieses Gesetz ginge endgültig zu weit. Zwar seien die ersten Ideen zur Umsetzung völlig wirkungslos, der Weg zu einer effektiven Zensur aber geebnet, und wenn man jetzt nichts unternehme, gäbe es nichts, was chinesische Verhältnisse prinzipiell noch verhindern könne. Unbestrittene Heldin der Stunde war die großartige Franziska Heine, die das Rückgrat besaß, eine Online-Petition beim Deutschen Bundestag einzureichen und die Anfeindungen auszuhalten, die ihr aus den etablierten Parteien entgegen schlugen - bis schließlich dem Letzten klar wurde, dass sich 134.015 Unterschriften nicht einfach als pädophile Störung vom Tisch wischen lassen.
Der deutsche Parlamentarismus basiert aber nicht auf Petitionen, er basiert auf Parteien. Parteien, die in Parlamente einziehen und selbst, wenn sie das nicht schaffen, Mehrheiten gefährden können. Die SPD musste das schmerzhaft lernen, denn mindestens einmal verhinderte die Piratenpartei eine rot-grüne Mehrheit, und dazu musste sie nicht einmal die Fünf-Prozent-Hürde schaffen.
Die Piratenpartei - das Stichwort ist gefallen. Streng genommen gab es sie in Deutschland schon seit dem Jahr 2006, aber außer ein paar Netzaktivisten nahm sie keiner wahr. Ernst nahmen sie noch viel weniger. Im Jahr 2009 war sie jedoch die einzige Partei, die sich ohne jede Einschränkung gegen das Zensurgesetz wandte und das auch lautstark kundtat.
Offenbar traf sie dabei zumindest den Ton, auf den Nerds hören. Sie hatte Internetseiten, auf denen man Dinge nachlesen konnte, sie hatte Mailinglisten, Wikis, Blogs, Etherpads - all die Werkzeuge, die Netzbewohnerinnen schätzen, um ihre Arbeit zu organisieren, all die Werkzeuge, von denen man in den anderen Parteien noch nichts gehört hatte.
Mit Netzpolitik konnte man keine Wahlen gewinnen. Das wurde bei den Wahlergebnissen der Piratenpartei schnell klar, aber man kann sie verlieren, und genau das ist die Sprache, die man in den Analogparteien versteht: Mandatsverluste, Machtverlust, Mitgliederschwund, sinkende Beitragseinnahmen und fehlende Wahlkampfkostenerstattungen. Vor allem die SPD bekam dies zu spüren, hatte sie doch auf einmal im ihrem Spektrum neben den Grünen noch eine weitere Kraft, die ihr Stimmen kostete. Auf einmal war Netzpolitik nicht mehr ein Nischenthema, mit dem man den einzigen I-Phone-Besitzer in der Fraktion ruhig stellte, es war wahlkampfentscheidend und damit wichtig. Entsprechend setzte man sich mit neuen Begriffen wie "Transparenz" oder "Liquid Democracy" auseinander. Vielleicht ist ja doch was dran.
Den restlichen Marsch durch die vergangenen vier Jahre erspare ich Ihnen. Sie kennen ihn: Personalquerelen, überraschende Wahlerfolge, Nazivorwürfe, respektable Wahlergebnisse, peinliche Interviews, umstrittene Bücher, Mitgliederzuwachs, immer noch ordentliche Stimmgewinne. Es waren Dilettanten, aber sympathische Dilettanten, und man war bereit, ihnen sehr viel Blödsinn zu verzeihen.
Langsam aber wollen die Wählerinnen offenbar auch Fortschritte sehen, und da rächt es sich, bei der Besetzung von Schlüsselpositionen nicht ausreichend bedacht zu haben, dass es mitunter ein gewaltiges Delta zwischen Wollen und Können gibt. Selbst wenn die Mandatsträger kompetent sind: Die Piraten lieben die öffentliche Selbstzerfleischung, und sie zelebrieren sie mit einer Hingabe, die man sonst nur von der SPD kennt. Das ist für sich genommen nichts Neues, aber auf die Dauer wirkt es nicht mehr unterhaltsam, sondern ärgerlich.
Warum ich das schade finde, wo ich doch sonst keine Gelegenheit auslasse, auf den Unzulänglichkeiten Anderer herumzuhacken? Weil das politische Ende der Piratenpartei das falsche Signal sendet, weil die Analogparteien, die sich nach vier Jahren mühsam an die Vorstellung gewöhnt haben, sich mit diesem komischen Internet doch noch etwas genauer beschäftigen zu müssen, jetzt wissend lächelnd dasitzen und sagen: Bitte - haben wir's doch die ganze Zeit gewusst, alles Firlefanz. Wir machen schön weiter wie bisher. Internet - so ein Blödsinn.
Ich möchte nicht wetten, dass wir das nächste Internetzensurgesetz noch einmal so leicht abgewehrt bekommen.
Schade - nicht weil ich alle Kapriolen der vergangenen vier Jahre uneingeschränkt mitgetragen hätte, sondern weil der erste Versuch, 30 Jahre nach den Grünen einen neuen Politikstil zu etablieren, so grandios gescheitert ist.
Was war im Jahr 2009 passiert? In den Parlamenten gaben Abgeordnete den Ton an, die Netzpolitik für vollkommenen Blödsinn hielten. Computer waren für sie bessere Schreibmaschinen und das Internet ein Tummelplatz für pornoraubkopierende Nazihackerterroristen, Entschuldigung: ein "rechtsfreier Raum", den es dringend aufzuräumen galt. Zu diesem Behufe war schon eine Reihe merkwürdiger Gesetze auf den Weg gebracht worden. Als nun aber die Bundesfamilienministerin ein komplett unausgegorenes Gesetz zur Internetzensur verabschieden wollte, platzte vielen Netzbewohnern der Kragen. Sie hätten in den vergangenen Jahren reichlich Quatsch mit ansehen müssen, sagten sie, aber dieses Gesetz ginge endgültig zu weit. Zwar seien die ersten Ideen zur Umsetzung völlig wirkungslos, der Weg zu einer effektiven Zensur aber geebnet, und wenn man jetzt nichts unternehme, gäbe es nichts, was chinesische Verhältnisse prinzipiell noch verhindern könne. Unbestrittene Heldin der Stunde war die großartige Franziska Heine, die das Rückgrat besaß, eine Online-Petition beim Deutschen Bundestag einzureichen und die Anfeindungen auszuhalten, die ihr aus den etablierten Parteien entgegen schlugen - bis schließlich dem Letzten klar wurde, dass sich 134.015 Unterschriften nicht einfach als pädophile Störung vom Tisch wischen lassen.
Der deutsche Parlamentarismus basiert aber nicht auf Petitionen, er basiert auf Parteien. Parteien, die in Parlamente einziehen und selbst, wenn sie das nicht schaffen, Mehrheiten gefährden können. Die SPD musste das schmerzhaft lernen, denn mindestens einmal verhinderte die Piratenpartei eine rot-grüne Mehrheit, und dazu musste sie nicht einmal die Fünf-Prozent-Hürde schaffen.
Die Piratenpartei - das Stichwort ist gefallen. Streng genommen gab es sie in Deutschland schon seit dem Jahr 2006, aber außer ein paar Netzaktivisten nahm sie keiner wahr. Ernst nahmen sie noch viel weniger. Im Jahr 2009 war sie jedoch die einzige Partei, die sich ohne jede Einschränkung gegen das Zensurgesetz wandte und das auch lautstark kundtat.
Offenbar traf sie dabei zumindest den Ton, auf den Nerds hören. Sie hatte Internetseiten, auf denen man Dinge nachlesen konnte, sie hatte Mailinglisten, Wikis, Blogs, Etherpads - all die Werkzeuge, die Netzbewohnerinnen schätzen, um ihre Arbeit zu organisieren, all die Werkzeuge, von denen man in den anderen Parteien noch nichts gehört hatte.
Mit Netzpolitik konnte man keine Wahlen gewinnen. Das wurde bei den Wahlergebnissen der Piratenpartei schnell klar, aber man kann sie verlieren, und genau das ist die Sprache, die man in den Analogparteien versteht: Mandatsverluste, Machtverlust, Mitgliederschwund, sinkende Beitragseinnahmen und fehlende Wahlkampfkostenerstattungen. Vor allem die SPD bekam dies zu spüren, hatte sie doch auf einmal im ihrem Spektrum neben den Grünen noch eine weitere Kraft, die ihr Stimmen kostete. Auf einmal war Netzpolitik nicht mehr ein Nischenthema, mit dem man den einzigen I-Phone-Besitzer in der Fraktion ruhig stellte, es war wahlkampfentscheidend und damit wichtig. Entsprechend setzte man sich mit neuen Begriffen wie "Transparenz" oder "Liquid Democracy" auseinander. Vielleicht ist ja doch was dran.
Den restlichen Marsch durch die vergangenen vier Jahre erspare ich Ihnen. Sie kennen ihn: Personalquerelen, überraschende Wahlerfolge, Nazivorwürfe, respektable Wahlergebnisse, peinliche Interviews, umstrittene Bücher, Mitgliederzuwachs, immer noch ordentliche Stimmgewinne. Es waren Dilettanten, aber sympathische Dilettanten, und man war bereit, ihnen sehr viel Blödsinn zu verzeihen.
Langsam aber wollen die Wählerinnen offenbar auch Fortschritte sehen, und da rächt es sich, bei der Besetzung von Schlüsselpositionen nicht ausreichend bedacht zu haben, dass es mitunter ein gewaltiges Delta zwischen Wollen und Können gibt. Selbst wenn die Mandatsträger kompetent sind: Die Piraten lieben die öffentliche Selbstzerfleischung, und sie zelebrieren sie mit einer Hingabe, die man sonst nur von der SPD kennt. Das ist für sich genommen nichts Neues, aber auf die Dauer wirkt es nicht mehr unterhaltsam, sondern ärgerlich.
Warum ich das schade finde, wo ich doch sonst keine Gelegenheit auslasse, auf den Unzulänglichkeiten Anderer herumzuhacken? Weil das politische Ende der Piratenpartei das falsche Signal sendet, weil die Analogparteien, die sich nach vier Jahren mühsam an die Vorstellung gewöhnt haben, sich mit diesem komischen Internet doch noch etwas genauer beschäftigen zu müssen, jetzt wissend lächelnd dasitzen und sagen: Bitte - haben wir's doch die ganze Zeit gewusst, alles Firlefanz. Wir machen schön weiter wie bisher. Internet - so ein Blödsinn.
Ich möchte nicht wetten, dass wir das nächste Internetzensurgesetz noch einmal so leicht abgewehrt bekommen.
Sonntag, 27. Januar 2013
Sexismus effektiv bekämpfen!
Mit Wut und Trauer reagieren die Autor_innen dieses Blogs auf die unerträgliche Hetzkampagne, mit der die männerdominierten Medien Frauen verfolgen, die den Mut haben, sexistische Übergriffe von Politikern öffentlich anzuprangern. Beweise werden hier scheinheilig verlangt, Belege dafür, dass die unfassbaren Tätlichkeiten Brüderles tatsächlich stattgefunden haben. Wieder einmal werden Opfer zu Täterinnen und Täter zu Opfern umdefiniert, wird Leid instrumentalisiert und werden Frauen diskriminiert. Allein die Tatsache, dass Brüderle von seinen politischen Weggefährten - sonst nie verlegen, sich gegenseitig zu zerfleischen, jetzt auf einmal in friedlicher Eintracht vereint, um ihre Herrschafts- und Unterdrückerprivilegien zu verteidigen - in Schutz genommen wird, ist doch ein klarer Beweis für seine Schuld. Wir sind nicht länger gewillt, diesen unerträglichen Zustand länger zu tragen und fordern deswegen in einem offenen Appell den Bundesinnenminister auf: Schauen Sie nicht länger weg. Machen Sie endlich Ihre Ankündigung wahr, sichere Orte für alle hier lebenden Menschen zu schaffen. Sorgen Sie dafür, dass sexistische Übergriffe künftig einwandfrei dokumentiert und die Täter ihrer gerechten Strafe zugeführt werden können. Wir brauchen endlich eine flächendeckende Kameraüberwachung, nicht nur an allen öffentlichen Plätzen, sondern auch in Restaurants, Gaststätten, Hotelbars, Clubs und Discotheken. Auch der so genannte Bereich der privaten Lebensführung, oft genug nichts weiter als ein rechtsfreier Raum zum Ausleben sexistischer Gewaltphantasien, darf nicht länger als Schutzzone für Verbrechen missbraucht werden. Wir wissen, dass Kameras in Wohnungen aufgrund des Widerstands so genannter Bürger_innenrechtsorganisationen noch nicht politisch opportun sind. Wie lange wollen Sie diesem Treiben noch tatenlos zusehen? Grundrechte gelten nicht nur für Männer. Die Ermittlungsbehörden verfügen doch schon längst über die erforderliche Technologie, warum wird sie nicht flächendeckend eingesetzt? Warum ist die Installation der als "Staatstrojaner" verunglimpften Schutzsoftware nicht längst auf allen Computern obligatorisch?
Dieses schreiende Unrecht muss ein Ende haben. Wir werden kämpfen.
Dieses schreiende Unrecht muss ein Ende haben. Wir werden kämpfen.
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