Sonntag, 18. August 2019

Y-Tours reloaded

Es ist ein Freitag im Jahr 2001 in einem Intercity nahe bei Kassel. Die Luft ist wie in einer Kneipe, eine Mischung aus abgestanden, verraucht und Bier. A propos stehen, Sitzplätze gibt es schon lange nicht mehr. Der ganze Zug ist vollgestopft mit jungen Kriegsdienstleistenden, die brav bis Dienstschluss das Vaterland verteidigt haben und nun auf der Heimfahrt sind. Wenn der Sold schon eine Frechheit ist, so hat die Nation ihnen doch wenigstens Tickets spendiert, welche die Fahrt zwischen Kaserne und Wohnort gratis abdecken. Das führte zu den berüchtigten Y-Tours, Heerscharen von alkoholisierten Soldaten, die Freitags auf der Fahrt ins Wochenende und Sonntags auf dem Weg zur Kaserne die Züge verstopften.

Montag, 5. August 2019

Drei Rants zur Saure-Gurken-Zeit

In den letzten Sommerferien war immer irgendetwas los, was die Leute von dummen Gedanken abhielt. Oft genug waren es Landtags-, Bundestags- oder Europawahlen, oft kombiniert mit Themen wie Internetzensur, Five-Eyes-Überwachungsskandalen oder Flüchtlinge, um die sich gekümmert werden musste. Beim Blick in die Schlagzeilen hatte ich zwar nicht immer das Gefühl, dass sich während des Sommers immer diejenigen vor die Mikrofone stellen, man zu normalen Zeiten dort hingelassen hätte. In diesem Jahr hingegen habe ich erstmals seit langer Zeit das Gefühl, dass wirklich nichts los ist, und das bedeutet nicht nur, dass es nichts gibt, worüber wir reden können, sondern auch, dass die Leute über nichts reden, die man mit allen verfügbaren Mitteln daran hätte hindern müssen. Drei Beispiele:

Montag, 22. Juli 2019

CW

Ich könnte Ihnen erzählen, was es mit dieser Abkürzung auf sich hat, aber das könnte Sie triggern. Ich könnte Ihnen erzählen, worum es in diesem Blogbeitrag geht, aber auch das könnte Sie triggern.

Samstag, 20. Juli 2019

Roller die Waldfee

Wenn es etwas gibt, was der Deutsche noch mehr hasst als Leute, die Grünglas in den Weißglascontainer werfen, ist es Veränderung. Er hasste die fünfstelligen Postleitzahlen, gegen die Rechtschreibreform rief er sogar einen Volksentscheid ins Leben (was dazu führte, dass einige Schülerinnen innerhalb weniger Jahre nicht ein- sondern gleich viermal andere Schreibweisen lernen mussten), und ich bin überzeugt, dass viele Menschen Hitler allein deswegen gewählt hatten, weil er versprach, dass sie sich 1000 Jahre lang an keine neue Regierung gewöhnen müssen. Als Ende der Achtziger völlig überraschend die Wiedervereinigung über die Deutschen hereinbrach, sah es für einen kurzen Moment so aus, als könne diese Nation doch noch Gefallen an einer grundlegenden Änderung finden, aber schnell fand der damalige Kanzler Kohl einen Weg, die Wiedervereinigung in eine Annexion (verbal als zufällig gleichzeitig stattfindender, ganz spontaner Beitritt von Teilen Deutschlands zu Westdeutschland nach Artikel 23 GG verbrämt) umzuwandeln, in der alles beim Alten bleibt, nur mit D-Mark und mehr Bananen. Damit konnte das Volk sich anfreunden und brannte zur Feier des Tages ein paar Flüchtlingsunterkünfte ab.

Samstag, 6. Juli 2019

Hauptsache, das Feindbild stimmt

Vergesst Argumente, die braucht ihr nicht. Wenn ihr eine Diskussion mit drei Worten beenden wollt, sagt:

alte, weiße Männer.

Sonntag, 16. Juni 2019

Kommunikative Katastrophe

Die Europawahl ist gelaufen, die SPD auf dem Weg zur Fünf-Prozent-Hürde kaum noch zu stoppen, die Grünen scheinen sich als neue Volkspartei zu etablieren und die CDU?

Die CDU wird nicht müde, Argumente zu liefern, warum Menschen unter 60 Jahren sie nicht wählen sollten.

Sonntag, 2. Juni 2019

Beyond the point of no return

Die Königin des G(en)ossen-Dadaismus wirft hin. Nicht, dass ich jemals sonderliche Sympathien für Andrea Nahles gehegt hätte oder ihren Abgang auch nur ansatzweise bedauerte, aber ein kleines bisschen geht es mir doch nahe, dieser einst so mächtigen Partei bei der Implosion zuzusehen.

Vielleicht wird es dieser Moment sein, den wir einmal rückblickend als den identifizieren werden, der den Übergang ins 21. Jahrhundert abschloss, der Moment, in dem wir Abschied von den Volksparteien nahmen, den Parteien, die ein derart weites Meinungsspektrum abdeckten, dass zwischen 70 und 80 Prozent der Wählerinnen sich dort wiederfanden. Diese Zeit, behaupte ich, ist zumindest für einige Jahre vorbei, und selbst wenn wir doch einmal wieder erleben, wie sich große Sammlungsbewegungen formieren, werden sie nicht mehr SPD und CDU heißen, sondern vielleicht (!) Grüne und AfD.