Sonntag, 10. August 2014

NSFW - Nachruf auf einen Podcast

Es war das Jahr 2009 - das Jahr der Netzbewegung. Lang hatte es sich angebahnt, jetzt war offenbar der Zeitpunkt gekommen. Das Internet war lang genug schnell und billig, um nicht nur ein paar Technikenthusiasten und Berufssurfer anzulocken, sondern um Heimat für alle zu bieten, die wussten, was ein Browser ist. Ganz zart deutete sich bereits an, dass auch mobiler Datenverkehr eine große Zukunft haben könnte. Zwar saß in der Bahn noch nicht jeder über sein Telefon gebeugt, aber selten war dieser Anblick auch nicht mehr. Vieles war im Auf- oder Umbruch. Soziale Netze waren das große Thema, aber welche von ihnen am Ende übrig blieben, war noch nicht entschieden. Eine Bundestagswahl stand an - eine Wahl, in der die ohnehin nicht als Liebeshochzeit zustande gekommene Große Koalition klären wollte, wer künftig weiter regieren sollte: Schwarz-Gelb oder Rot-Grün. Das große Aufregerthema des kommenden Wahlkampfs war noch nicht gefunden, aber eins wusste man: Wer dieses Thema besetzen kann, verbessert seine Chancen enorm.

In dieser etwas aufgeladenen Stimmung kam die damalige Bundesfamilienministerin auf die Idee, sich als die große Kinderschützerin zu profilieren. Der Weg sah vermeintlich idiotensicher aus: Man baut im traditionell technophoben Deutschland das Internet als Feindbild auf. Dort, so lautete die Botschaft, wimmle es nur so von Menschen, die Kinder vergewaltigten, davon Bilder anfertigten und sie für horrende Summen verkauften. "Millionenbeträge" wechselten dort monatlich den Besitzer, verkündete die Ministerin. Die Lösung sei ebenso simpel wie effektiv: Netzsperren, Stopschilder.

Unschuldige Kinder auf der einen, das böse Internet auf der anderen Seite - was konnte da schon großartig schief gehen? Viel. Innerhalb weniger Wochen formierte sich im bis dahin politisch eher desinteressierten Internet ein Protest. Man sprach nicht von "Sperren" sondern von "Zensur", allen voran eine bis dahin komplett unbedeutende Gruppe, die sich "Piratenpartei" nannte und das Sommerthema werden sollte.

Als Nebeneffekt dieses Protests wurde sich "die Netzgemeinde" (ich weiß, dass bei diesem Wort viele Leute zusammenzucken) plötzlich ihrer selbst bewusst. Trotz aller Unterschiede wurde schnell klar: Man teilt gewisse gemeinsame Sichtweisen, Interessen und Humor. So weit im Detail die Auffassungen voneinander abweichen mögen - es gibt eine Gruppe von Menschen, die das Netz als ihren Lebensraum auffassen, und dieses Gefühl begann sich im Jahr 2009 zu manifestieren.

Eine Generation von Netzbewohnern hatte ihr Erweckungserlebnis, und NSFW lieferte den Soundtrack. NSFW, "Not Safe For Work", war ein völlig wirres Podcastexperiment, ins Leben gerufen von Tim Pritlove, einem Podcaster der ersten Stunde, der seinen Freund Holger "Holgi" Klein, einen erfahrenen öffentlich-rechtlichen Rundfunkmoderator einlud, um ohne jedes Konzept einfach über alles zu reden, was ihnen gerade in den Sinn kam. Die beiden Moderatoren konnten unterschiedlicher kaum sein: Tim, CCC-Urgestein, langjähriger Chaosradio-Redakteur und vielen mit seinem davon abgeleiteten Format "Chaosradio Express" bekannt, der eingefleischte und kenntnisreiche Nerd, der aber aus Sicht des Vollblut-Radiojournalisten Holgi nicht die leiseste Ahnung hatte, wie man dieses Wissen knackig rüberbringt. Holgi hingegen war aus Tims Sicht ein Dampfplauderer, der zwar auf Knopfdruck losreden konnte, dabei aber zu seicht blieb, um von einem Nerd als ernsthafter Inhalt wahrgenommen werden zu können. Tim zauberte ein Nerdthema nach dem nächsten aus dem Hut, und Holgi freute sich mit der liebenswerten Begeisterung eines Kindes darüber oder kommentierte aus der Perspektive des freundlich interessierten Außenstehenden. Sendezeiten spielten keine Rolle. Zwei Stunden waren die Regel, aber es konnten auch schnell drei werden. Obwohl die Sendung kein erkennbares Konzept hatte und sich die beiden auch durchaus einmal nur damit beschäftigten, die verschiedenen Knöpfe ihres Effekgeräts auszuprobieren, funktionierte das Durcheinander großartig. Die Sendungen waren lustig, unterhaltsam, und auch die ernsthafteren Passagen waren sehr anregend. Man musste nicht unbedingt die Standpunkte teilen, aber als intelligenter Denkanstoß taugten sie fast immer.

Die Kunde vom durchgedrehten Chaotenpodcast sprach sich herum, und die Zuhörerzahlen stiegen - so stark, dass die Sendungen rechtlich gesehen schon als Hörfunk einzuordnen waren. Tim und Holgi stümperten sich fröhlich durch ihr nicht vorhandenes Programm, und ihre Hörer lauschten mit Begeisterung.

Nun weiß jeder, der sich ein wenig mit Mathematik beschäftigt hat, dass dem Chaos automatisch geordnete Unterstrukturen innewohnen. Für NSFW bedeutete dies, dass sich nach einiger Zeit gewisse Regeln einschliffen. Aus der überraschend eingetroffenen Hörerpost entwickelte sich ein fester Programmbestandteil, in dem sich Tim und Holgi mitunter stundenlang der Aufgabe widmeten, dutzende Pakete auszupacken, deren Absender sich gegenseitig beim Versuch zu übertrumpfen versuchten, immer obskurere Dinge zu verschicken. Genau wie aber ein einzelner vor Begeisterung kreischender Fan komplett untergeht, wenn der Rest des Publikums ebenfalls vor Begeisterung kreischt, verschwammen die immer aufwendigeren Pakete zunehmend zu einer diffusen Wolke aufmerksamkeitsheischender Superlative. Gleichzeitig wurde auch immer deutlicher, wie Tim und Holgi der Fankult zu Kopf stieg. Sie begannen, das ursprüngliche Konzept "Wir veranstalten das, was uns gerade Spaß bringt" mit "Was wir veranstalten, ist toll, egal, ob es euch gefällt oder nicht" zu verwechseln. Aufkeimende Kritik, stundenlanges Herumgeschmatze könne ja wohl kaum ein Sendekonzept ersetzen, wurde mit einem kaltschnäuzigen "dann hört's euch eben nicht an" abgebügelt, begleitet vom Fanboychor, der jede nicht hinreichend laut jubelnde Äußerung als Ketzerei betrachtete.

Doch selbst Tim und Holgi ahnten, dass Geschenkeauspacken und Unterhaltungen über sündhaft teure Büroartikel auf die Dauer langweilen, und so kam es zu dem Streit, der aus meiner Sicht den Anfang vom Ende markierte: Tim schlug vor, als roten Faden in jeder Sendung einen Film von Stanley Kubrik zu besprechen, was Holgi zum Gegenvorschlag veranlasste, lieber alle James-Bond-Filme zu besprechen. Vom folgenden, teilweise auf Kleinkinderniveau ausgetragenen Zank, was genau man unter niveauvoller Unterhaltung zu verstehen habe und was von den Vertretern der jeweiligen Geschmacksrichtung zu halten sei, hat sich die Sendung nie richtig erholt. In der Folge häuften sich Szenen, in denen Tim gedankenverloren im Netz herumsurfte, statt die Unterhaltung am Leben zu erhalten, Holgi das genervt kommentierte und Tim nicht minder genervt konterte, genau dieses schweigende Herumgesurfe sei es, was die Sendung überhaupt am Leben hielte.

Der letzte Tiefpunkt bestand in der im Kern interessanten Diskussion um die Frage, ob die Piraten nun komplett durchgeknallt seien, weil sie im Wahlprogramm die Forderung nach einem Weltraumaufzug stehen haben oder ob hier endlich eine Partei den Mumm hat etwas zu fordern, was über den Tellerrand hinaus schaut. Auch diese Diskussion wäre es wert gewesen, gefǘhrt zu werden. Statt dessen gingen die beiden Moderatoren wie pubertierende Teenager aufeinander los.

Kurz darauf kam auch das offizielle Aus, und ich muss sagen: gerade noch rechtzeitig, bevor es peinlich wurde. NSFW hatte seine Zeit. Er war der Podcast, der die Netzbewegung auf ihrem Weg zur gesellschaftlichen Relevanz und noch ein Stückchen darüber hinaus begleitete. Ich verdanke dieser Sendung das Wissen über zahlreiche Meme und reihenweise Denkanstöße zu Netzthemen. Unvergessen und in meinen Augen unübertroffen bleibt Holgis Kommentar zur Lücke zwischen den im Fernsehalter stecken gebliebenen etablierten Parteien und den Netzbewohnern, der sich an einem Wikipediaartikel über die CDU entzündete. Holgi las nur: "Durchschnittsalter 56 Jahre. Entschuldige mich einen Moment." Es folgte ein zehnsekündiger, brüllender Lachanfall. Unvergessen bleibt auch ein weiterer Holgi-Lachanfall, als er erfuhr, dass Club-Mate früher so ähnlich hieß wie das Standardgetränk aus dem Film "Idiocracy". Um es kurz zu fassen: Der Rest der Sendung war gelaufen.

Inzwischen hat sich die Netzwelt aber weiter entwickelt, und mit dieser Fortentwicklung wuchs auch der Bedarf nach stärkerer inhaltlicher Differenzierung. Wenn Tim stundenlange Monologe über seine Podcastsoftware halten möchte und Holgi im Gegenzug ausschweifend über irgendwelche Details beim Konzept seines WRINT-Podcasts schwadroniert, kann man das auch gut in eine eigene Sendung "Tim und Holgi reden über ihre Projekte" auslagern, anstatt damit einen Podcast zu füllen, dessen Name auf sehr viel weniger ausgelutschte Themen und etwas mehr Anarchie hoffen lässt.

So ist wieder einmal ein Ende mit Schrecken besser als ein Schrecken ohne Ende. Tim und Holgi sei Dank für einige großartige Stunden witziger Unterhaltung sowie die Erkenntnis, ein totes Pferd ließe sich nicht dadurch besser reiten, dass man eine größere Peitsche kauft.

Montag, 4. August 2014

Ende einer christlich-muslimischen Waffenbrüderschaft

Auf den ersten Blick ist die Sache einfach: Der Schützenkönig von Sönnern (wer kannte das Kaff überhaupt vor dieser Meldung?) wird unsanft vom Thron gestoßen, weil er kein Christ, vielmehr: Moslem ist. "War ja klar, dieses braune Schützenvereinspack", mag man sich jetzt denken. "Wahrscheinlich verlangten die noch einen Ariernachweis von ihren Mitgliedern, wenn das seit 1945 nicht so einen seltsamen Beigeschmack hätte. Seit wann hat denn Filzrocktragen, Saufen und Rumballern was mit christlichen Grundwerten zu tun?"

Naja, seit das bei denen in der Satzung steht, also seit 1837. Da heißt es nämlich recht deutlich:

[...] Getreu dem Wahlspruch der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften „Für Glaube, Sitte, Heimat“ stellen die Mitglieder der Schützenbruderschaft St. Georg Sönnern-Pröbsting sich folgende Aufgaben:
  1. Bekenntnis des Glaubens durch:
  • aktive religiöse Lebensführung
  • [...]
  • Erziehung zum Werke christlicher Nächstenliebe
  1. Schutz der Sitte durch:
  • Eintreten für christliche Sitte und Kultur im privaten und öffentlichen Leben [...]

Und weiter:

Die Schützenbruderschaft dient ausschließlich unmittelbar christlichen und mildtätigen und gemeinnützigen Zwecken

Nun kenne ich reichlich Muslime, die christliche Grundwerte deutlich überzeugender vertreten als offiziell mit einem Taufschein Ausgestattete, aber spätestens bei dieser Passage sollte klar sein, aus welcher Richtung im Verein der Wind weht:

  1. Die Bruderschaft beteiligt sich geschlossen und mit Fahnen an der Fronleichnamsprozession ihrer Pfarrei. Die Bruderschaft lässt alljährlich drei Hochämter halten:
- am Fest des heiligen Georg, des Schutzpatrons unserer Bruderschaft
- am Samstag beim Schützenfest und
- am Christkönigsfest.
Bei den Gottesdiensten nehmen die Fahnenabordnungen im Chorraum um den Altar Aufstellung.
Und schließlich:

Die Bruderschaft beteiligt sich an der Pflege christlicher und geschichtlicher Kultur der Heimat.

Wahrscheinlich liest kein Mensch die Satzung eines Schützenvereins, bevor er ihm beitritt, und sollte Herr Gedik es dennoch getan haben, spricht es für seine Toleranz, sich solchen Regeln unterzuordnen. Dass Christentum und Islam zwar viele gemeinsame Werte teilen, aber in einigen wichtigen Punkten auch wieder komplett unterschiedliche Religionen sind, sollte sich inzwischen herumgesprochen haben. Ein Moslem kann mit dem wirren Konstrukt einer Dreifaltigkeit nichts anfangen. Für ihn gibt es exakt einen Gott, der nicht irgendwie herumfaltet, und ganz bestimmt ist Jesus aus seiner Sicht nicht sein Sohn, sondern gerade einmal ein Prophet. Die Auferstehung, Kern der christlichen Heilslehre, gibt es aus seiner Sicht nicht. Umgekehrt erkennt das Christentum den Propheten eben nicht als Propheten an, der Q'ran hat für sie keine Bedeutung, und die heiligen Stätten des Islam sowie die damit verbundenen religiösen Pflichten gelten für sie nicht. Manche mögen das als trennend empfinden, ich empfinde es als Bereicherung, durch den Islam noch einmal eine ganz andere Sichtweise kennenzulernen. Wie auch immer: Ein praktizierender Moslem muss in Glaubenskonflikte geraten, wenn er die oben genannten Vereinsziele leben will, ähnlich so wie ein Christ niemals ohne Konvertierung die Gesetze des Islam vollständig leben kann.

Damit Sie mich nicht falsch verstehen: "Ablehnung" ist noch ein sehr sanftes Wort für das, was ich gegen Schützenvereine empfinde. Das spießig-miefige, das diese Leute versprühen, stößt mich ab. Wäre ich Pastorin und einer dieser ordensbehängten Fahnenträger wagte es, sich auch nur in die Nähe des Altarbereichs zu begeben, steckte ich ihm eigenhändig die Fahne an den einzigen Ort, wo sie wirklich gut hinpasst und schöbe ihn zurück in die Bank. Wenn sich erwachsene Menschen außerhalb ihrer Arbeitszeit in Uniformen zwängen, müssen sie schon beim THW oder der freiwilligen Feuerwehr sein, um von mir nicht als vollkommen schwachsinnig angesehen zu werden.

Nun gibt es aber einmal diese Vereine, und wahrscheinlich gehören sie einfach zum Dorfleben dazu. Entsprechend ist es ein gutes Zeichen, wenn sich Herr Gedik dort wohl fühlt. Wer in kontrollierter Umgebung ein wenig mit Schusswaffen herumhantieren will, hat nach aller Erfahrung die damit verbundenen Regeln viel zu sehr verinnerlicht, als dass er damit irgendwelchen Unfug triebe. Es bleibt aus meiner Sicht die Frage, ob die oben zitierten Regeln in dieser Form noch zeitgemäß sind, ob sich die von Herrn Gedik und seinen Vereinsgeschwistern gelebten Werte nicht auch anders als mit dem Wort "christlich" beschreiben ließen, und ob die schon fast aufdringliche Kirchennähe nicht etwas gelockert werden könnte. Damit wäre wahrscheinlich allen Beteiligten geholfen.

Ich wünsche mir auf jeden Fall, dass die St. Georg Schützenbrüderschaft Sönnern-Pröbsting eine Lösung für dieses Sommertheater findet - zusammen mit ihrem Schützenkönig Mithat Gedik.

Mittwoch, 23. Juli 2014

Hamburg verbietet das 21. Jahrhundert

Im Dampflokzeitalter war der Heizer ein wichtiger und verantwortungsvoller Beruf. Stimmte die Glut unter dem Kessel nicht, fuhr der Zug zu langsam oder verbrauchte zu viel Brennstoff. Der Heizer war vielleicht nicht der qualifizierteste Spezialist, aber man brauchte ihn.

Die Jahre änderten sich. Lokomotiven fuhren immer seltener mit Kohle sondern mit Diesel oder Strom. Heizer brauchte man nicht mehr. Für die Betroffenen war das natürlich hart. Sie mussten sich nach neuer Arbeit umsehen. Auf der anderen Seite: Die Welt ändert sich. Man kann die Zeit nicht aufhalten, indem man sie verbietet.

Naja, in England schon. Da schafften es die übermächtigen Gewerkschaften, dass es selbst auf E-Loks Heizer gab - überflüssig wie ein platter Reifen, aber Englands Antwort auf den Fortschritt. Zwanzig Jahre bestand diese absurde Situation, bis schließlich Margaret Thatcher dem Spuk ein Ende setzte - die vielleicht einzige sinnvolle Entscheidung ihrer Regentschaft.

Das war in den Achtzigerjahren des letzten Jahrhunderts. Seitdem haben wir in Deutschland viele weitere Berufe sterben sehen: Schriftsetzer beispielsweise oder Kohlebergleute. Im Fall des Kohlebergbaus haben wir den schmerzhaften Umbau einer ganzen Region erlebt, aber am Ende konnte einfach niemand mehr nachvollziehen, wie jeder einzelne Bergmann mit Summen subventioniert wurde, die man in anderen Branchen für hochspezialisierte Akademikerinnen bezahlte, wobei der Bergmann etwas aus der Tiefe holte, was oben kein Mensch mehr brauchte.

Subventionen für aussterbende Berufe sind allenfalls Übergangslösungen, die man nutzt, um den Betroffenen mehr Zeit zu verschaffen, sich eine andere Arbeit zu suchen oder in die Rente zu flüchten. Über kurz oder lang muss man aber der Realität ins Auge blicken und akzeptieren, dass Heizer auf E-Loks einfach kein tragfähiges Konzept darstellen.

In Hamburg sieht man das anders.

Dort glaubt die Verkehrsbehörde, den Lauf der Zeit ändern zu können, indem sie eine App verbietet - "Uber", um genau zu sein. Hierbei handelt es sich im Prinzip um die Fortentwicklung der Mitfahrgelegenheit. Privatleute haben einen Platz im Auto frei, melden das, und wer diesen Platz nutzen möchte, kommt zu einem moderaten Preis an eine Fahrt.

Man muss jetzt nicht allzu viel Phantasie besitzen, um zu merken, dass Uber damit mitten im Revier der Taxiunternehmen wildert. Entsprechend fallen deren Reaktionen aus. Mit Streiks und Blockaden versuchen Taxifahrer in ganz Europa, den lästigen Konkurrenten los zu werden. Wo das nicht hilft, muss der Staat helfen, der dann so wie in Hamburg den Dienst einfach verbietet.

Letztlich erscheint mir das wie der Versuch, mit einem Sieb Wasser aus einem sinkenden Schiff zu schöpfen. Wir brauchen nicht darüber zu streiten, dass kontrollierte Fahrzeuge, geeichte Taxameter und Fahrer mit Personenbeförderungsschein ein qualitatives Plus darstellen. Die Frage ist nur: Merkt der Fahrgast davon irgendetwas, und ist ihm das den recht üppigen Fahrpreis wert?

Letztlich verhindern die ganzen Maßnahmen offenbar nicht, dass immer wieder Beschwerden über unpünktliche, unfreundliche und ortsunkundige Taxifahrer laut werden, deren Fahrstil irgendwo zwischen Kampfpilot und James Bond liegt. Selbst wenn seitens der Fahrer alles in Ordnung ist, bleibt doch die Frage, wie sinnvoll ein Geschäftsmodell ist, bei dem ein halbes Dutzend Autos zeitweise stundenlang auf einem Parkplatz beim Bahnhof herumsteht, um dann mit einer einzigen Fahrt die Kosten für die ganze Warterei zu kompensieren. Das kommt nämlich noch dazu: Nicht nur ist die Sache für die Fahrgäste äußerst teuer, sie lohnt sich nicht einmal für die Fahrer besonders. Reich wird man als Taxifahrer ganz bestimmt nicht. Gleichzeitig fahren die allermeisten Privatautos mit einer, vielleicht zwei Personen herum. Die ganze Situation schreit geradezu nach einer Änderung. Ob diese Änderung ausgerechnet in Uber besteht, sei dahin gestellt; sicher scheint mir, dass Verbote hier nichts bringen. Sonst geht es den Taxifahrer wie einst den Heizern auf der E-Lok.

Sonntag, 20. Juli 2014

#Gate's noch?

Mein Nachbar in der Etage unter mir hat diese fixe Idee, dass die Menschen in unserer Umgebung nach und nach von Aliens entführt und durch Roboter ersetzt werden. Bis vor einem Jahr habe ich ihn belächelt. "So ein Unsinn", dachte ich. "Warum sollte jemand so etwas wollen?" Die Frage stelle ich mir weiterhin, aber ich lächle nicht mehr dabei. Inzwischen glaube auch ich, dass die Menschen in meiner Umgebung sukzessive ausgetauscht werden - wenn auch nicht gegen Roboter, sondern gegen Bescheuerte.

Wie anders sollte es zu erklären sein, dass sich immer mehr Leute immer lauter über immer kleinere Dinge aufregen, nur um nach immer kürzerer Zeit sich noch hysterischer einer noch banaleren Kleinigkeit zuzuwenden? Irgendwann werden  sich alle in einer Art emotionalem Blitzlichtgewitter über ein im Sekundentakt wechselndes Nichts ereifern, das zu beschreiben länger dauert, als die Leute sich damit befassen.

Watergate - wisst ihr überhaupt noch, was das ist? Schlagt es mal in der Wikipedia nach. Zugegeben, für die meisten von euch eine glatte Überforderung, weil der Artikel aus mehr als zwei Sätzen besteht und am Ende kein klares Gut-Böse-Schema hinterlässt. Watergate war ein Skandal, der seinerzeit die USA und damit die gesamte westliche Welt erschütterte. Es ging um die Glaubwürdigkeit der gewählten Volksvertreter, um journalistisches Selbstverständnis, kurz: um Grundwerte der Demokratie. Letztlich führte es zum Sturz eines der beiden mächtigsten Menschen der damaligen Welt. Wenn in den folgenden Jahrzehnten jemand mit dem Wort "Watergate" herumspielte, achtete er sorgfältig auf die historische Dimension. Als beispielsweise Ende der 80er der damalige Schleswig-Holsteinische Ministerpräsident Uwe Barschel nach einigen äußerst windigen Aktionen zurücktreten musste, was die Parteienlandschaft in Schleswig-Holstein umkrempelte und bundesweit für Aufsehen sorgte, sprach man ganz vorsichtig vom "Waterkantgate".

Und jetzt, "Netzgemeinde", sieh dir bitte einmal an, was du heute alles als "Gate" bezeichnest. Irgendwelche notorisch beim Denken vom Pech verfolgten Typen hissen auf irgendeinem Sektieretreffen irgendeinen symbolträchtigen Stofffetzen: Flaggengate! Fahnengate! Zwei Sektiererinnen verherrlichen in Dresden Kriegsverbrechen: Bombergate! Was es mit dem komischen "Molligate" auf sich hat, will ich gar nicht erst herausfinden, ist bestimmt wieder irgendein Hirnausfall. Exemplarisch will ich auf zwei Gates eingehen, die innerhalb weniger Stunden vor etwas mehr als einer Woche einander ablösten und sehr schön das selbstgefällige Herumgetöse selbstverliebter Netzgroßmäuler vorführten.

#Listengate

Mitglieder der selbsternannten "Netzpartei" stellen voller Verblüffung fest, dass öffentlich ins Netz gestellte Daten - und jetzt alle festhalten - öffentlich lesbar sind. Respekt! Wir haben in Deutschland knapp 20 Jahre flächendeckend Internet, und schon begreifen unsere "Digital Natives", also Angehörige der Generation, die eine Welt ohne Internet gar nicht mehr kennt, was es mit diesem "World Wide Web" so auf sich hat. Cool, ihr habt's ja voll drauf.

Das Problem, so bekomme ich erklärt, läge auch nicht darin, dass jemand diese öffentlich verfügbaren Daten sammelt, sondern darin, dass er sie offenbar mit dem Ziel der Beweissicherung archiviert und thematisch einordnet.

Für IQ-Verlierer wie euch wiederhole ich mich gern noch einmal, diesmal ganz langsam und in fett geschrieben:

Im Internet lesen nicht nur eure Freunde mit.

Diesem Irrtum unterliegen die meisten bewussten oder unbewussten Post-Privacy-Advokaten. Sie nehmen stillschweigend an, dass ihre bewusst allgemein zugänglichen Daten nur zu wissenschaftlichen Zwecken oder sogar zu ihren Gunsten ausgewertet werden. Gern führen sie an, dass ein Netz, das mich kennt, mich auch gezielt mit Informationen versorgt, die mich interessieren. Ja, das kann es, und das funktioniert sogar sehr gut, wie man leicht sehen kann, wenn man bei Google einmal anonymisiert sucht und bei "LaTeX" eben nicht auf die Dokumentation eines Schriftsatzsystems, sondern auf die Adressen von Dominastudios stößt (OK bei den Meisten dürfte es umgekehrt sein). Es hat durchaus seine Vorteile, wenn uns das Netz kennt, aber es kann eben auch bedeuten, dass jemand eben nicht herausfindet, wie er mir nutzen, sondern wie er mir schaden kann. Dann kann es eben passieren, dass ich auf einer Liste Linksradikaler lande, für die sich Nazis auf dem nächsten Kameradschaftsabend brennend interessieren. "Ich erzähle euch alles von mir, aber ihr dürft nur lieb zu mir sein", ist in seiner Naivität schon fast anrührend.

#Gauchogate

Anrührend fand ich auch den Jubel, den ich hörte, als vor einer Woche der entscheidende Treffer im Endspiel der FIFA-WM fiel. Ich gehöre der in diesem Land zunehmend seltener werdenden Spezies derer an, die mit einer geregelten Erwerbstätigkeit ihren Lebensunterhalt bestreiten müssen, weshalb mir der Luxus, um Mitternacht 22 Millionären dabei zuzusehen, wie sie gegen eine Kugelsphäre treten, nicht vergönnt ist, weswegen ich zu diesem Zeitpunkt in Vorbereitung des nahenden Werktags zu schlafen versuchte. Kurz gesagt: Es war ein vergeblicher Versuch, zu laut waren die Jubelfeiern unter meiner Haustür. Mich hat es nicht allzu sehr gestört, denn trotz allen Lärms waren mir die Leute sympathisch. Einige hatten eine 24 Jahre dauernde Durststrecke hinter sich, in der die von ihnen favorisierte Mannschaft bisweilen grauenhafte Leistungen zeigte. Erst seit wenigen Jahren spielte sie in einer Qualität, bei der man wieder von "konkurrenzfähig" sprechen konnte. Der Sieg fiel ihr im Turnier nicht gerade in den Schoß, sie musste bisweilen wirklich hart arbeiten, und als es am Ende doch klappte, finde ich es völlig in Ordnung, wenn die Leute einmal kollektiv vor Freude ausflippen.

Jetzt rufen wir uns noch einmal die Situation in Erinnerung: Da sind also diese 11 Millionäre plus Ersatzspieler. Diese Menschen haben mehrere Jahre auf dieses Ziel hingearbeitet, haben zwei Monate hohen Stress hinter sich, mindestens zwei praktisch schlaflose Nächte, Adrenalin- und Alkoholpegel weit jenseits der Eichmarkierungen. Diese Leute werden nicht fürs Denken bezahlt, sondern fürs Treten, eine Tätigkeit, die sich am ganz anderen Ende ihres Körpers abspielt, und dann leisten sich diese 11 Leute einen Lapsus, der ganz bestimmt nicht zu ihren intellektuellen Glanzleistungen zählt, aber ganz bestimmt auch nicht zum rassistischen, sexistischen, nationalistischem Ausbruch des hässlichen Deutschen, zu dem weite Teile des Netzes das alberne Tänzchen hochstilisierten.

Wisst ihr, was aus meiner Sicht der hässliche Deutsche ist? Das ist der intellektuelle Spießer, der ganz genau weiß, wie die wahre, schöne und gute Welt aussehen muss; eine Welt in der selbst die Milchverpackung sauber durchgegendert ist, in der alle Leute immer nur reine, klare und gute Gedanken denken, in der bei einer WM gleich zu Anfang alle Teams den Pokal geschenkt bekommen, weil alles Andere ja total diskriminierend wäre. Doch selbst in einer solchen Welt fände der hässliche Deutsche noch irgendetwas, worüber er sich aufregt. Wahrscheinlich wurde der Pokal nicht komplett aus recyclefähigem Material und CO2-neutral hergestellt, und bei der Verleihungszeremonie war für einen Sekundenbruchteil jemand zu sehen, der vor 20 Jahren über einen politisch bedenklichen Witz gelacht hat. Der hässliche Deutsche ist niemals locker, niemals entspannt, statt dessen ständig auf der Lauer, auf der Suche nach dem #Haargate in der Suppe.

Insgesamt fällt mir auf, wie viele Gates von Anhängx einer Partei ins Leben gerufen werden, die einst mit dem Anspruch auftrat, die politische Kultur dieses Landes zu reformieren, inzwischen sich aber darin gefällt, den gleichen aufgeblasenen Popanz wie die Etablierten zu veranstalten. Schwankend zwischen Amüsement, peinlichem Berührtsein und echtem Mitleid lese ich Postings einer Parteiprominenz, die inzwischen selbst fürs Dschungelcamp zu irrelevant ist, die aber von einer bedeutungsschwangeren Gewichtigkeit triefen, die selbst SPD-Parteichefs nur noch selten anschlagen. Wirkt dieser Tonfall schon bei der irgendwo im 30-Prozent-Ghetto hockenden SPD in seiner Unangemessenheit lächerlich, so ist man bei einer sich von zwei Richtung einem Prozent und weniger glitschenden Zwergpartei versucht, einen ordentlichen Therapeuten hinzuzuziehen, der diesen armen Kreaturen einen Realitätsabgleich verpasst.

Ich weiß nicht, welches schreckliche Scheitern in eurer persönlichen Lebensplanung ihr mit eurem Geschrei zu kompensieren versucht, aber seid euch versichert: Das funktioniert nicht. Ich habe Kirchenchöre, Kleingartenvereine und Betriebsräte erlebt, die ihren lächerlichen Wirkungsbereich mit realer Relevanz verwechselt haben. Glaubt mir, selbst den meisten Leuten in eurer Soziosphäre ist es egal, ob die Notenmappen dunkelblau oder schwarz, die Hecken 1,50 m oder 1,80 m hoch oder die Kaffeemaschinen mit der richtigen Bohnensorte befüllt sind. Es ist vollkommen in Ordnung, wenn euch ein Thema interessiert und ihr dort etwas bewegen wollt, aber bitte lasst nicht zwangsweise den Rest der Welt an euren Problemen teilhaben. Ich bin keine Historikerin, aber ich bin mir fast vollständig sicher: In den Geschichtsbüchern kommender Generationen wird die FIFA-WM vielleicht einen Tabelleneintrag, das Internet einen Halbsatz und eure Partei maximal eine Fußnote einnehmen. An eure lächerlichen Versuche, den nächsten Talkshowauftritt durch künstlich gehypte Hashtags zu erschreien, wird man sich allenfalls in der RTL-Retrosendung "Die peinlichsten Internetmomente der 10er" durch einem Einspieler erinnern.

Dienstag, 24. Juni 2014

Die Truecrypt-Verschwörung

Es fing noch halbwegs harmlos an. Die Leute hinter Truecrypt stellten das Projekt ein, hinterließen eine wirre Nachricht auf der Seite, man solle doch bitte auf ein anderes Programm umsteigen und ersetzten den ursprünglichen Programmdownload durch ein abstruses Machwerk, das außer irgendwelche wirren Warnmeldungen auszuspucken nicht viel konnte. Natürlich waren viele Leute verwirrt, zumal das Ende überraschend kam und die Erklärung auf der Projektseite ernste Zweifel am Geisteszustand der Verfasser weckte.

Zeitpunkt und Art des Abschieds forderten Spekulationen förmlich heraus. Die vernünftigeren drehten sich um die Frage, ob das Ende möglicherweise nicht ganz freiwillig beschlossen wurde und ob die wirre Erklärung nicht vielmehr ein Fingerzeig darauf sein sollte, dass irgendwelche US-amerikanischen Behörden Druck ausgeübt hatten.

Das war zwar spekulativ aber noch irgendwo von Fakten und strukturierten Überlegungen  geleitet. Gleichzeitig schossen allerdings auch wilde Spekulationen ins Kraut. Die erste war sogar noch halbwegs bodenständig und drehte sich um einen Teil des Abschiedssatzes "Using TrueCrypt is not secure as it may contain unfixed security issues". Nimmt man die Anfangsbuchstaben von "not secure as", erhält man "NSA", was für einige Anlass war, die ohnehin durch Snowden in Verruf geratene Organisation hinter der ganzen Sache zu vermuten.

Doch das war ja noch gar nichts. Die ganz Eifrigen schnappten sich gleich den ganzen Satz und dessen Anfangsbuchstaben. Heraus kam "utinsaimcusi". Das wiederum soll Lateinisch "uti NSA im cu si" sein, was, wenn man es in Google Translate hinein wirft, auf Englisch "unless I want to use the NSA" heißt. Alles klar?

Ja, aber auch nur dann, wenn man so ziemlich alles über Bord wirft, was man jemals über saubere Recherche gelernt hat. Wenn Ihr Latein zum Übersetzen des Satzes nicht ausreichte, brauchen Sie sich nicht zu schämen. Es ist auch kein Latein, was da steht. Nur zwei Worte lassen sich eindeutig dieser Sprache zuordnen. Der Rest ist - naja, Zeugs.

"Aber Google Translate hat das doch übersetzt." Google Translate versucht, aus so ziemlich allem noch irgendeinen Rest von Sinn zu saugen, auch wenn es der größte Unsinn ist. Gehen Sie an ein beliebiges Gymnasium, eine beliebige Universität und fragen Sie dort jemanden, der diese Sprache tatsächlich spricht, und er wird Ihnen bestätigen, das es sich bei dem Gebilde nicht um einen lateinischen Satz handelt.

"Das ist ja auch kein Wunder, wahrscheinlich haben die Truecrypt-Entwickler auch keine Ahnung von Latein und deswegen ebenfalls Google Translate benutzt, um diesen Satz zu erzeugen, den sie dann in ein Anagramm verwandelten." Auch hier gilt: Wie wäre es, hier einen kleinen Test zu versuchen? "Unless I want to use the NSA" übersetzt Google Translate mit "NSA nisi quaero", und auch alternative Formulierungen bringen keine besseren Treffer.

"Naja, es ist in Wirklichkeit auch kei Latein, sondern Rumänisch." Damit ich es richtig verstehe: Die NSA steht bei mir vor der Tür. Ich habe keine andere Wahl, als mein Projekt zu beenden und eine versteckte Warnung zu hinterlassen, und das Erste, was mir in dieser Situation einfällt, ist, ein rumänisches Anagramm zu hinterlassen? Schon mal was von Ockham's Razor gehört?

Wenn Sie aber unbedingt spielen wollen, habe ich was für Sie. Das ist der Seitentext von truecrytpt.org, wenn man alle Zeilenumbrüche weglässt:

WARNING: Using TrueCrypt is not secure as it may contain unfixed security issues This page exists only to help migrate existing data encrypted by TrueCrypt. The development of TrueCrypt was ended in 5/2014 after Microsoft terminated support of Windows XP. Windows 8/7/Vista and later offer integrated support for encrypted disks and virtual disk images. Such integrated support is also available on other platforms (click here for more information). You should migrate any data encrypted by TrueCrypt to encrypted disks or virtual disk images supported on your platform. Migrating from TrueCrypt to BitLocker: If you have the system drive encrypted by TrueCrypt: Decrypt the system drive (open System menu in TrueCrypt and select Permanently Decrypt System Drive). If you want to encrypt the drive by BitLocker before decryption, disable Trusted Platform Module first and do not decrypt the drive now. Encrypt the system drive by BitLocker. Open the Explorer: Click the drive C: (or any other drive where system encryption is or was used) using the right mouse button and select Turn on BitLocker: If you do not see the Turn on BitLocker menu item, click here. Alternatively, use search in the Start menu or screen: If you do not see the BitLocker item, click here. If BitLocker reports Trusted Platform Module (TPM) unavailable error, click here. If the system drive is still encrypted by TrueCrypt, decrypt it now (open System menu in TrueCrypt and select Permanently Decrypt System Drive). If you have a non-system drive encrypted by TrueCrypt: If you have a spare or backup drive (having sufficient space to store all data you need to migrate to BitLocker), encrypt it by BitLocker (click the drive in Explorer using the right mouse button and select Turn on BitLocker): If you do not see the Turn on BitLocker menu item, click here. Copy all data from the drive encrypted by TrueCrypt to the drive encrypted by BitLocker. If you do not have a spare drive, first decrypt the drive encrypted by TrueCrypt. Select the drive in TrueCrypt, open the Volumes menu and select Permanently Decrypt item (available in version 7.2). Then encrypt the drive by BitLocker (see above). To mount a drive encrypted by BitLocker, open the drive in Explorer. To dismount a removable drive encrypted by BitLocker, use Eject menu item or Safely Remove icon: To dismount a non-removable drive encrypted by BitLocker, use Offline item in the context menu of the drive in Disk Management window: To mount the drive again, use Online item in the context menu of the drive. If you have a file container encrypted by TrueCrypt: Create a new virtual disk file (VHD). Open the Computer Management window (click the Computer or PC icon using the right mouse button and select Manage): Select the Disk Management item: Alternatively, use search in the Start menu or screen: Open Action menu in the Disk Management window and select Create VHD: Create and attach a new virtual disk file (VHD): Initialize the new virtual drive. Click the new disk icon using the right mouse button and select Initialize Disk: Create a partition on the virtual drive. Click the unallocated space using the right mouse button and select New Simple Volume: Encrypt the new virtual drive by BitLocker. Click the drive in Explorer using the right mouse button and select Turn on BitLocker: If you do not see the Turn on BitLocker menu item, click here. Copy all data from the mounted TrueCrypt file container to the new virtual drive encrypted by BitLocker. To dismount the drive, click the drive using the right mouse button in Explorer and select Eject: To mount the drive again, double click the virtual disk file (requires Windows 8 or later): Alternatively, use Attach VHD in the Action menu of the Disk Management window: Download: WARNING: Using TrueCrypt is not secure You should download TrueCrypt only if you are migrating data encrypted by TrueCrypt. TrueCrypt 7.2 sig key If you use TrueCrypt on other platform than Windows, click here.

Sie können jetzt auf die Idee kommen, noch alle Satz- und Leerzeichen sowie alle Zahlen zu löschen und dann jeden zweiten oder jeden dritten Buchstaben zu nehmen, etwa damit:

for i in `seq 1 3217`; do tr -d " .:,()0123456789/-" < tc.txt | tr [:upper:] [:lower:] | awk -v j=$i '{line = $0; print "---"length(line) " " j"----"; for (i = 1; i <= length(line); i += j) {printf("%s", substr(line, i, 1))};print"" }' ; done

Bitte entschuldigen Sie die grauenhafte Syntax. Ich hatte ehrlich gesagt keine Lust, diesen Unfug auch noch besonders hübsch zu schreiben. Und jetzt schalten wir alle mal in den Verschwörungsmodus:

Der Text hat 3217 Zeichen. Auf Englisch liest sich die Zahl etwa
"Three two one seven" 
etwas umgestellt
"Three (letter agency) to one's even". 
Google Translate übersetzt das zu
"Drei-Buchstaben-Agentur, ist sogar ein" 
oder:
"Sogar das ist eine Drei-Buchstaben-Behörde." 
Zufall?

Man kann die Zahl natürlich auch als Jahreszahl lesen: 1732, das Geburtsjahr George Washingtons, des ersten US-Präsidenten. Zufall?

Jetzt schauen wir uns einmal jeden 1188. Buchstaben an. Offensichtlich ist 1188 die Nummer der deutschen Telefonauskunft. Hier will man uns also eine Auskunft erteilen. Zweitens kann man die Zahlen auch in Buchstaben übersetzen und bekommt "AAHH", was man entweder als Ausruf des Erkennens oder die Anfangsbuchstaben von Adolf Hitler deuten kann. Offenbar stecken die Nazis hinter der Sache. "Nazi" etwas verwaschen ausgesprochen "NSA". Im Jahr 1188 wurde das Newgate-Gefängnis in London erbaut. Zufall?

Was bekommt man also, wenn man sich jeden 1188. Buchstaben der Nachricht ansieht? "WTF". Zufall?

Jetzt fragt man sich natürlich, wer der brilliante Denker hinter der Sache ist. "Wer", englisch "WHO", findet man, wenn man sich jeden 1214. Buchstaben ansieht, und hier gibt gleich jeder 1215. Buchstabe Antwort: "WAU". Wau Holland, Elite-Hacker, Mitgründer des CCC. Natürlich kann nur solch ein Kopf das alles ausgedacht haben. Zufall?

Nimmt man jeden 541. Buchstaben, bekommt man "WTCEOT", was das bekannte Akronym für "World Trade Center Eclipse Of Terrorism" ist, und die abschließende Drohung liefert uns jeder 495. Buchstabe "WCYYNSA". We see you. Why? NSA.

In your face, Verschwörungstheoretiker!

Mittwoch, 4. Juni 2014

An den Dummkopf mir gegenüber

Manchmal wünsche ich mir eine Karte mit ungefähr dieser Aufschrift:

Empfänger dieser Karte,

du hast durch deine letzten Wortbeiträge ein dermaßenes Ausmaß des Dunning-Kruger-Effekts  gezeigt, dass ich leider nicht genug Zeit habe, dir zu erklären, auf wie viele unterschiedliche Weisen du gerade falsch liegst. Ich mag nicht die ultimative Superspezialexpertin sein, aber im Gegensatz zu dir habe ich mich mit dem Thema intensiv genug beschäftigt, um zu wissen, dass zwei oder drei Poservokabeln nicht ausreichen, um kompetent mitreden zu können. Der Ausgangspunkt deiner Argumentation hat zwar einen wahren Kern, aber leider sind sämtliche von dir danach gezogenen Schlüsse vollkommener Unfug, was du leider nicht mitbekommst, geschweige denn mitbekommen willst, weil du mich nicht einmal ausreden lässt. Eine Diskussion besteht im Austausch von Gedanken, dem gegenseitigen Abwägen von Argumenten, nicht dem Warten auf ein Stichwort, um dann papageienartig loszuplappern. Eines Tages werde ich vor dem Thron meines Schöpfers stehen und ihm für jede Sekunde meines Lebens Rechenschaft ablegen müssen. Wenn ich ihm erzähle, ich hätte meine Zeit damit verschwendet, dir beim Verbalonanieren zuzuschauen, stehen meine Aussichten schlecht. Hab also Verständnis dafür, dass ich jetzt dieses Gespräch abbreche und mich irgendeiner Tätigkeit widme, die mir vergleichsweise sinnvoll erscheint, und sei es, dass ich versuche, Licht in einen Sack zu schaufeln.

Weder mit freundlichen Grüßen, noch hochachtungsvoll, allenfalls resigniert mitleidig

die Publikumsbeschimpfung

Sonntag, 25. Mai 2014

Obsolete Dreckstechnik Teil 5: E-Mail

Wenn mir eine gute Fee erschiene und sagte: "Mädel, du hast einen Wunsch frei, überleg dir gut..." Ok, ich weiß schon. Befreie die Welt von diesem E-Mail-Schwachsinn!

E-Mail ist eine Technik, die je nach Rechenweise 20, 30 oder 40 Jahre auf dem Buckel hat. Auf jeden Fall stammt sie aus einer Zeit, in der Computer noch einander vertrauen konnten und in der man notfalls ins Nachbarbüro sprinten oder anrufen konnte, um wirklich wichtige Dinge zu klären.

Die Zeiten haben sich geändert, die hinter der E-Mail stehende Technik hingegen kaum. Das hat allerdings die Leute nicht daran gehindert, Mail als eierlegende Wollmichsau zu missbrauchen und Sachen damit anzustellen, für die das Medium die konzipiert war:


  • HTML-Mails ermöglichen es, lustige bunte Bildchen und alle auf einem System installierten Zeichensätze in eine Mail einzubinden, ohne dass der Informationsgehalt dadurch nennenswert stiege. Dafür hat man sich eine herrliche Hintertür für Schadsoftware geöffnet.
  • Verschlüsselungstechniken schaffen es wunderbar, den Inhalt einer Mail zu verschlüsseln, die Metadaten einschließlich der Betreffzeile hingegen nicht. Da Metadaten fast genau so viel über eine Kommunikation aussagen wie der eigentliche Inhalt, gibt es kaum Anwendungszwecke, in denen Verschlüsselung einen besonderen Sicherheitsgewinn bringt. Darüber hinaus gibt es mit PGP und S/MIME zwei konkurrierende und miteinander inkompatible Verschlüsselungsstandards, welche die Akzeptanz weiter senken.
  • Der weit überwiegende Teil des weltweiten Mailverkehrs ist Spam. Am Anfang des Jahrtausends stand E-Mail kurz vor dem Zusammenbruch, weil die Filterprogramme es einfach nicht schafften, Ordnung in den Postfächern zu halten. Inzwischen hat man die Spamflut wenigstens halbwegs im Griff. Dummerweise ist E-Mail dadurch auch ausgesprochen kompliziert in der Konfiguration geworden und läuft ständig Gefahr, harmlose Mails aufgrund irgendwelcher Anti-Spam-Regeln kommentarlos zu verwerfen. Das mag für Privatpersonen ärgerlich sein. Für Firmen kann es den Ruin bedeuten, wenn wichtige Geschäftskorrespondenz stillschweigend nicht ankommt.
  • E-Mail ist kein Dateitransferprotokoll und erst recht kein Ticketsystem. Dennoch wird es dazu benutzt. Irgendwelche Spaßvögel kommen immer wieder auf die Idee, Dateianhänge im mehrstelligen Megabytebereich zu verschicken. Mitunter haben sie keine andere Wahl, weil andere Wege des Datenaustauschs von ihrer hirnbefreiten Netzadministration gesperrt wurden. Das ändert nichts daran, dass E-Mail für diese Datenmengen nicht ausgelegt ist und bestenfalls schlecht als recht damit klarkommt. Ähnlich ist es mit Terminabsprachen, Adressdaten oder Aufgabenanfragen. Ja, ich weiß, es gibt mindestens ein Dutzend Lösungen dafür, aber genau da hängt es auch: Es gibt keinen verbindlichen Standard, sondern lauter inkompatible Nischenlösungen, und vor allem, wer schon einmal mit einem echten Ticketsystem gearbeitet hat, weiß, dass die komischen Aufgabenanfragen in Outlook allenfalls eine nette Konzeptstudie darstellen.
  • Selbst das simple Beantworten und Weiterleiten einer Mail stellt die meisten Menschen vor unüberwindbare intellektuelle Hürden. Wie oft bekomme ich Mails mit der Aufforderung: "Kannst du das bitte beantworten?", bei denen meine erste Frage lautet: Ja, was denn überhaupt? Dann sehe ich die Katastrophe: Bildschirmseiten über Bildschirmseiten rängeln sich gegenseitig zitierende und kommentierende Mails, mal mit oben, mal mit unten, mal mit mittendrin eingefügtem Text, da mal ein paar Brocken Deutsch, dort ein paar Zeilen grauenhaft schlechtes Englisch, zwischendrin noch einige Seiten Signaturen (dazu gleich noch). Erwartet der Vollidiot von Absender tatsächlich, dass ich mir den ganzen Quatsch durchlese?
  • Um das Medium gänzlich jeder Benutzbarkeit zu berauben, haben irgendwann die Juristen und Marketingschwachköpfe ihr Augenmerk darauf gerichtet. Besonders die Mailsignatur hat es ihnen angetan. Ursprünglich bestand ihr Sinn darin, neben der Mailadresse noch ein paar Kontaktinformationen unterzubringen - nichts, was man mit maximal vier Zeilen Text nicht erzählen könnte. Statt dessen bekomme ich jetzt Mails, die aus einer Zeile Text bestehen, erweitert um eine Signatur, die mich über sämtliche Firmendetails seit Gründung im Jahr 1837 unterrichtet, mich bittet, der Umwelt zuliebe diese Mail nicht auszudrucken und dann zu guter letzt anraunzt, ich hätte diese Mail gar nicht lesen dürfen, weil sie gar nicht für mich gar nicht bestimmt war, und ich hätte mich auf den Einfall eines SWAT-Teams einzustellen, weil der Absender zu doof war, sein Geseier an die richtigen Adressen zu schicken.
Viele der hier beschriebenen Unzulänglichkeiten ließen sich relativ einfach in den Griff bekommen. Gerade bei Abmahnanwälten sehe ich eigentlich kein Problem, das sich nicht mit einem Maschinengewehr, einigen hundert Schuss Munition und einer Viertelstunde Zeit lösen ließe, aber Aufrufe zur Gewalt sind hierzulande völlig zu recht nicht gern gesehen. Auch bei Leuten, die zu blöd sind, Mails ordentlich weiterzuleiten, sehe ich kein - aber lassen wir das. Tatsache ist: Mail hatte seine Zeit, aber inzwischen gibt es Etherpads, Wikis, Foren, Chat, Ticketsysteme - was weiß ich. Lauter Werkzeuge jedenfalls, mit denen eine Vielzahl der genannten Auswüchse korrigiert werden könnte. Das Dumme ist nur: Die funktionieren auch nicht.

Das heißt, für sich genommen funktionieren sie schon, aber der Austausch untereinander hakt immer wieder. Außerdem wollen die Meisten nicht zehn Tools gleichzeitig geöffnet haben, sondern optimalerweise wollen sie eine zentrale Benachrichtigungsstelle, die informiert, wenn irgendwo bei einem dieser Tools etwas erledigt werden muss. Das funktioniert - na, minderprächtig, und deswegen greifen die Leute weiterhin auf Mails zurück, obwohl es streng genommen Dreck ist.

Hoffentlich ändert sich bald daran etwas.